So, jetzt hamma den Salat. Wir alle. Nicht nur mein austrokanadischer Lieblingsmillionär. Der Frank? Nein, den kann ich doch überhaupt nicht ausstehen. Der Robert D. (Sein vollständiger Name ist in seinem österreichischen Pass nachzulesen.) Jedenfalls hat sich der ja tatsächlich einen Insalata di Pollo bestellt. Aber was er dazu haben wollte, das gab’s nicht auf der Speisekarte.

Gut, wir waren beim Italiener. Bei dem kriegst halt nichts Deutsches. "Außerdem hätt i jetzt gern in der deutschen Sprach a Männlichkeitsform. An echten männlichen Plural. Dass des eindeutig is." Oh, stimmt. Die Gleichberechtigung hat versehentlich die Österreicher entmannt. Und die Ärzte, die Automechaniker, die Grünwähler, die Millionäre . . . Na ja, nicht komplett. Zur Hälfte ungefähr. Die sind nun keine ganzen Männer mehr. Bloß noch so halberte. Wir waren eben von den Ärztinnen, Automechanikerinnen und Grünwählerinnen abgelenkt, die sich Viagra eingeworfen haben und daraufhin mit einer Dauererektion herumgelaufen sind. Mit einem Binnen-I. (Das ist Pornografie! Wörter mit Binnen-Spatzi dürften erst für LeserInnen ab 18 freigegeben werden!) Und da muss es irgendwie passiert sein.

Bei den Ärztinnen geht’s bekanntlich männerfeindlicher zu als auf der Damentoilette. Bei denen darf ein Mann nicht einmal rein, um das Klo zu putzen. Ungerecht, weil: "Bei den Ärzten können die Männer nie unter sich sein. Da san die Frauen immer mitg’meint." Hm. Existiert eigentlich eine gesetzliche Quotenregelung, zu wie viel Prozent man sie bei einem maskulinen Plural mitmeinen muss? Wahrscheinlich zu 40. Und dann wird die Quote eh wieder nicht erfüllt. He, muss ich mir bei den Österreichern 11 Prozent Frauen wegdenken? In der Bevölkerung beträgt der Frauenanteil ja immerhin 51 Prozent.

Ich stochere in meinen Calamari mit Tomatenconcassée herum und frage mich, ob mein Essen gegendert ist. Ob gleich viele Oktopoden wie Oktopussys gegrillt worden sind. (Calamarandjosef!) Am Ende ist mir schlecht. Weil ich natürlich nix übrig lasse. Schließlich muss ich für zwei futtern. Mindestens. Ach, ich bin schwanger? Blödsinn. Aber meine Mama hat mir eingebläut, es wäre meine moralische Verpflichtung, für die armen, ausgemergelten Gschrappen in der Sahelzone mitzuessen. ("Du wüllst ned z’sammessen? Und in Afrika verhungern derweil die Kinder.") Ich hätte ihr antworten sollen: "Okay, pack den Rest ein und schick’s ihnen!"

Robert D. ist superschlank. Seit er FDH macht. Die Hälfte vom Salat bleibt auch diesmal auf dem Teller. Ich bin empört über so viel Herzlosigkeit. Asoziales Kapitalistenschwein! Dabei könnte er es sich locker leisten, wenn er schon nicht aufisst, wenigstens eine Maschine zu chartern und die Salatblattln in einem Care-Jausensackerl über Äthiopien abzuwerfen und den Welthunger zu besiegen.

Und die Söhne, die gegen die "Quotentöchter" protestieren, die angeblich die Bundeshymne sexuell belästigen? Sind Trotteln. Die sollten froh sein, dass die Töchter drin sind. Nur die können ihre Männlichkeit noch retten. Liebe Fußballnationalspieler, singt also besser fortan die geschlechtergerechte Version. Denn sobald wir anfangen, bei den Söhnen die Töchter mitzudenken, müssen wir uns notgedrungen fünf von euch (oder wie viel sind 40 Prozent von elf?) in süßen Kleidchen vorstellen, gell?