Holger Rust, geboren 1946, ist Publizist und Professor für Soziologie in Hannover.
Holger Rust, geboren 1946, ist Publizist und Professor für Soziologie in Hannover.

Die Artikel häufen sich, in denen Klagen über die globale Marktmacht der Super-Companies des Silicon Valley angestimmt werden, Klagen über das Geschäftsgebaren von Apple, Google, Twitter, Facebook oder Microsoft. Auch die Zahl der Politiker steigt, die passgenau dazu programmatisch ausrufen, diese Marktmacht müsse kontrolliert oder gar beschränkt werden.

Alles gut und schön, aber irgendwie seltsam, wenn zum Beispiel genau diese Klagen auf Facebook-Seiten gepostet oder über Twitter auf dem Apple Smartphone verbreitet werden. Immerhin: Facebook ist ein Unternehmen, ebenso wie Twitter eines ist, oder Google, wo man die Treffer zählt, die einen in den Rang einer bestimmten Prominenz erheben.

Aber: Es gibt nicht nur die milliardenfache Nutzung der Markenprodukte, sondern auch die Übernahme der Namen als Tätigkeitsworte in den umgangssprachlichen Verkehr. Googlen wird sogar schon eingedeutscht - die offizielle Schreibweise ist googeln, das kann man nachlesen, auf http://www.belleslettres.eu/artikel/googeln-oder-googlen.php, wo auch die Konjugationen abgehandelt werden. Beim Twittern tritt dieses Problem nicht auf, was aber am Prinzip, dass trotz aller Skepsis Firmen-Logos sprachlich in die Alltagskultur eingemeindet werden, nichts ändert. Sogar Berufe gibt es, die zum Beispiel Youtuber heißen.

Wir machen alle freiwillige Werbung für Unternehmen, deren listige Raffinesse wir anschließend kritisieren. Aber die Sache geht noch weiter. Denn die Produktanmutungen werden selbst zum sprachbildenden Faktor, zum Beispiel das Apple-Auto. Damit ist nun keineswegs immer das selbstfahrende App-Trägerme-
dium I-Car gemeint, sondern zum Beispiel ein normales Design-Concept eines britischen Herstellers, das stilistische Prinzipien des Smart-Phone- und Computer-Herstellers aufgreift: zurückhaltende Glattheit ohne störende Ornamente. Apple steht offensichtlich etymologisch vor der Karriere als Etikett einer Design-Epoche, so wie dereinst Art Nouveau, Bauhaus oder Neue Sachlichkeit.

Und weiter? Nichts. Entweder wir wollen’s nicht, nutzen andere Suchmaschinen wie Metager oder DuckDuckGo, Startpage oder Qwant und kaufen andere Geräte. Dann können wir ja die ins Alltagsvokabular und in die Umgangssprache integrieren, was auch eine Wertschätzung unternehmerischer Leistung ist. Es wäre auch denkbar, die Sache abzuwandeln und, dem lautmalerischen Prinzip konsequent folgend und in schönster austriazistischer Manier, die Suche im Internet "Gugeln" zu nennen. Aber dann wäre man bald versucht, das Surfen in Gugelhupf umzutaufen. Was nun wiederum zeigt, dass man besser entspannt bleibt, Facebook bei Facebook kritisiert, Almdudler trinkt und sich mit einem Tempo-Taschentuch die Lachtränen über derlei Pirouetten aus den Augen wischt.