Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Glaubwürdigkeit ist eine schwierige Angelegenheit. Das sieht man schon am Wort. Was heißt das denn eigentlich: "glaubwürdig"? Die Würde des Glaubens? Was soll das sein? Das Gegenteil zur "Bürde des Wissens"? Oder bedeutet glaubwürdig: "Dem oder der würde ich glauben"? Man beachte: Es bleibt im Konjunktiv, also im Reich der Spekulation, fernab der Realität. Man glaubt ja nicht, man würde nur. Vielleicht . . . irgendwann einmal . . .

Wem wir aber glauben würden, wenn wir ausnahmsweise einmal jemandem glauben täten, haben nun die Meinungsforscher herausgefunden. Und so konnte man vergangene Woche lesen und hören, die Österreicher finden am allerglaubwürdigsten - und zwar zu 98 Prozent: die Feuerwehr. Logisch. Wenn das Haus brennt, glaubt man wirklich jedem, der mit Wasser daherkommt. Da steht man nicht daneben und fragt sich: "Ist das auch echtes Wasser?" Oder denkt: "Diese Hektik, die die hier verbreiten, ist mir verdächtig." Oder: "Muss das jetzt so nass sein?" Obendrein, wer Jahr für Jahr, Landstrich für Landstrich, Wochenendrausch für Wochenendrausch so schöne Feuerwehrfeste feiert, kann nicht ganz schlecht sein. Prost!

Gleich dahinter, mit 93-prozentiger Glaubwürdigkeit: das Rote Kreuz.

Die FPÖ vermutet angeblich, dass bei einem rot-weiß-roten Kreuz die Glaubwürdigkeit wahrscheinlich 181 Prozent betragen hätte, und überlegt eine Anfechtung der Umfrage.

Auf Platz drei - die erste große Überraschung - mit 85 Prozent: die Polizei. Man darf annehmen, dass sich unter den fehlenden 15 Prozent so mancher Teilnehmer der Demos gegen die Identitären und den Akademikerball befindet. Und etliche Autofahrer.

Ganz gegen seine Gewohnheit mit Platz vier nicht mehr auf dem Stockerl, aber doch einzigartig, der Mann, dem die Österreicher am allermeisten glauben würden: Marcel Hirscher. Dabei ist er weder Präsident des Gläubigerverbandes noch der Glaubenskongregation. Im Gegenteil glaubt er beruflich vor allem an sich selbst und gewinnt so gerne den Gesamt-Weltcup im Bergerlaufbretterlnschnellrunterrutschen. Ansonsten macht er in seiner Freizeit Werbung für Raiffeisen (58 Prozent Glaubwürdigkeit) und Audi (gehört zu VW, Glaubwürdigkeit: 35 Prozent) und trägt bei Interviews kleidsame Logos von A1 (65 Prozent Glaubwürdigkeit) und der "Kronen Zeitung" (Glaubwürdigkeit nicht abgefragt).

Gleich hinter Hirscher - ex aequo - mit 82 Prozent: der Papst und der Hofer. Also nicht der "Sie werden sich noch wundern"-Norbert und auch nicht die Figur aus Wolfgang Ambros’ Lied, nein, der Supermarkt Hofer ist gemeint. Ob das alle Befragten verstanden haben . . . man weiß es nicht. Ist aber auch egal, denn der Papst und der Discounter sind sich ja auch ähnlich. Der eine ist der Chef einer Organisation, die gratis Oblaten verteilt, der andere bietet Spaghetti sehr billig an.

Bei all diesen Institutionen, Personen und Wirtschaftsbetrieben fehlt allerdings eine entscheidende Frage. Und zwar die nach der Glaubwürdigkeit von: Meinungsforschern.

Die liegt nach den letzten Wahlumfragen wohl in einem hohen dreistelligen Prozentbereich.

Im Minus allerdings. Würde ich glauben.