Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

In Nizza fährt ein Wahnsinniger absichtlich in eine Menschenmenge, Österreich setzt Drohnen zur Grenzüberwachung ein, Boris Johnson wird neuer britischer Außenminister, in Graz wurde ein islamischer Religionslehrer, der im Nebenberuf Kriegsverherrlicher ist, zu 20 Jahren Haft verurteilt, und das Wiener Geistesleben diskutiert freudig erregt die Frage, ob ein Schriftsteller, der ab und zu seinen Heringslappen auf Facebook präsentiert, seine Kollegin Rotkäppchen als solchen bezeichnen darf.

Angesichts dieser Gemengelage ist es eindeutig am schlauesten, über Fußball zu schreiben. Zumal ja Österreich mit seinem Team gerade ein Riesenerfolg gelungen ist. Schließlich haben "wir" ja gegen Portugal unentschieden gespielt, die Portugiesen gegen Frankreich das Finale gewonnen, ergo ist Österreich Fußballeuropameister. Und Portugal natürlich auch irgendwie.

Nur hat Österreich im Vergleich zu Portugal und vielen anderen Mannschaften einen Nachteil: Unser Team ist namenlos. Während andere Mannschaften klingende Namen wie "Seleção" (Portugal und Brasilien, zu Deutsch "die Auswahl"), "L’Équipe" (Frankreich, zu Deutsch "das Team") oder "Squadra" (Italien, zu Deutsch "die Mannschaft") haben, ist Österreichs Nationalelf ohne Spitznamen. Selbst die deutsche Mannschaft nennt sich jetzt in einem Anfall von Fantasie "die Mannschaft". Da muss uns jetzt aber auch etwas einfallen!

Wie wär es mit "die Außepickten"? Oder "die Zsammklaubtn"? Oder ganz einfach "die Partie"? Letztere hätte den Vorteil, dass man den Namen je nach Spielverlauf erweitern könnte: "Aanserpartie" (gewonnen), "fade Partie" (unentschieden) oder "Oaschpartie" (verloren).

Natürlich gibt es auch bildhaftere Namen. Die Uruguayaner . . . äh Uruguayesen . . . nein Uru . . . die Menschen in Uruguay nennen ihr Team etwa nach den Trikots und der Nationalflagge "la Celeste" (die Himmelblauen), so wie auch die Kroaten ihre Mannschaft "Kockasti" (die Karierten) rufen. Da würde sich doch für Österreich "die G’streiften" anbieten. Das könnte auch dem - stets auf seine Pfründe bedachten - ÖSV gefallen, schließlich wäre auch die berühmte Streif im Namen drin.

Oder man geht den englischen Weg (da kann man mit der Unterstützung Norbert Hofers rechnen. Und dann auch wieder nicht): Die Engländer nennen ihre Truppe nämlich "Three Lions" - angelehnt an das Wappen Englands, das eigentlich drei Leoparden zeigt. Dahingehend könnten wir vom Bundesadler ausgehend unser Team ohne Problem "den Bussard" nennen. Oder "die Amsel". Oder "den Erpel". Oder - um auch einen Bogen zur österreichischen Küche zu schlagen - "den Bröselflieger".

Denkbar wäre auch die spanische Variante: Die Iberer geben ihren Kickern mit dem Namen auch gleich einen nationalen Charakterzug mit: "La Furia Roja" (die rote Furie). Hier wäre für Österreichs Elf möglich: "die Hoppertatschigen", "die Wuchtl-
drucka" oder "die Niedergscheibtn". Oder schlicht: "die Hatschertn".

Wahrscheinlich wäre es aber besser, einen ganz eigenen, in Europa einzigartigen Weg zu gehen und nicht der Mannschaft, sondern dem Publikum, das mitfiebert, Daumen drückt, jubelt, weh klagt und - natürlich - alles besser weiß, einen Namen zu geben: "die Motschkara".