Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Jetzt geht es endlich los: Die olympischen Spiele in Rio. Und eines lässt sich jetzt schon sagen: Das werden saubere Spiele. Also wirklich. Denn man hat in Rio wirklich aufgeräumt. So richtig sauber gemacht. Zwar nicht im Wasser (die deutschen Segler haben angeblich trainiert, mit Plastiksackerln im Wasser zu kreuzen), dafür zu Lande.

So wurden für die Olympischen Spiele und die Fußball-WM vor zwei Jahren in Rio 70.000 Personen umgesiedelt. Also etwa einmal die Stadt Villach dislociert. Und "umgesiedelt" sagt man ja immer, wenn man "vertrieben" nicht so gern sagt. Die Häuser der Bewohner stehen jedenfalls nicht mehr. Da stehen jetzt schöne, saubere Sportanlagen, deren Errichtung öffentlich ausgeschrieben worden ist. Logischerweise wurden die Verträge mit den betreffenden Baufirmen bereits vor der öffentlichen Ausschreibung unterschrieben. Ist einfacher so, damit man weiß, wer nachher die öffentliche Ausschreibung gewinnen soll. Denn wenn eine Hand die andere wäscht, kann man anschließend beide in Unschuld waschen. Aber besser nicht im Wasser der Bucht von Rio.

Wobei ja eines jetzt klar ist: Die Bucht in Rio ist keine Kloake. Zu diesem Ergebnis ist man nach einer Klage des internationalen Kloakenverbands gekommen. Dieser möchte nämlich auf gar keinen Fall mit der Wasserqualität in der Bucht von Rio verglichen werden, da man fürchtet, der weltweite gute Ruf von Kloaken könnte darunter leiden.

Warum das Logo zu den Spielen eigentlich wie eine Qualle aussieht, versteht man auch nicht. Das muss der schmutzigen Fantasie eines unsauberen Geistes entsprungen sein, denn in Rios Buchten gibt es keine Quallen. Nein, nur multiresistente Keime und Superbakterien fühlen sich dort wohl. Wer da als Sportler ins Wasser fällt, kann sich gleich ein zweites Immunsystem bei Amazon bestellen.

Apropos Sportler: Dopingmäßig werden das die saubersten Spiele überhaupt. Deswegen wurden ja auch die Russen ausgeschlossen. Also nicht alle. Die, die ganz ehrlich total traurig sind, dass sie zusammen mit dem Geheimdienst jahrelang gedopt haben und versprechen, dass sie das nie, nie, nie wieder tun werden... also zumindest sich nie, nie, nie wieder erwischen lassen, die dürfen schon mitmachen. Aber diese Julia Stepanowa, die auf eigene Gefahr das ganze Ausmaß des russischen Dopings aufgezeigt hat, die darf natürlich nicht mitmachen. Wo kommen wir denn da hin, wenn Menschen, die solche Machenschaften aufdecken, auch noch belohnt werden? Sowas geht doch nicht. So jemand ist doch nicht ganz sauber!

Zumindest so ein Typ, wie der Herr IOC-Präsident Bach (der dem Begriff "etwas geht den Bach hinunter" völlig neue Bedeutung gibt), kann dieses Verhalten nicht verstehen. Wenn der sich stets so verhalten hätte, glauben Sie, er wäre in diese Position gelangt? Eben. Bei näherer Betrachtung des IOC keimt ja überhaupt in einem der unkeusche Wunsch auf, den ganzen sauberen Herren den Fifa-Ethik-Vollpfosten zu überreichen zusammen mit der Carlo-Corruptione-Ehrenmedaille.

Dafür stellt sich die Erkenntnis ein: Wer mit sich völlig im Reinen ist, muss noch lange nicht ganz sauber sein.