Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Das Schöne an Religionen ist ja ihr Hang zu Unsinnigkeiten. Die hierzulande weitverbreitete katholische Kirche beispielsweise hegt eine starke Neigung zur Verehrung wundersamer Heiliger. Heilige gibt es fast für jeden Gebrauch.

Sehr bekannt ist etwa der Florian, der sicherstellen soll, dass stets nur das Haus des Nachbarn brennt, Bonifatius dagegen ist für das Bier zuständig (einer der Wichtigsten), die heilige Lidwina von Schiedam wacht über die Schlittschuhläufer (in einem Sommer wie diesem nicht unerheblich) und wenn Sie mal im Taxi sitzen und der Kerl da vorne hat keine Ahnung, wo er hinfährt, dann sollten Sie ein Stoßgebet in Richtung des heiligen Fiacrius schicken (zuständig für Taxler). Allein in einer Raumkapsel im All dagegen wären gute Verbindungen zum heiligen Josef von Cupertino von Nöten (Abteilungsleiter in Sachen Weltraumfahrt, da er angeblich fliegen konnte).

Da sieht man, dass der Protestantismus auch nach 500 Jahren immer noch der kleine besserwisserische, etwas freudlose Bruder bleibt, der in der Ecke schmollt und dauernd "Aber das stimmt doch gar nicht!" schreit, während seine opulente, große Schwester Catholica das Publikum mit den abgedrehtesten Geschichten bei Laune zu halten weiß.

Heute etwa ist der Tag des heiligen Zwentibold. Ja, den gab es tatsächlich. Dieser Mann hatte es von Anfang an nicht leicht, aber er hat daraus auch nichts gemacht. Eigentlich hieß er Svatopluk, weil aber sein Vater Arnulf von Kärnten und man schon damals in Kärnten sehr, sehr slawophil war, wurde sein Name in Zwentibold fränkisch umgewandelt. Ob das eine Verbesserung darstellt, sei mal dahingestellt, beliebter hat ihn das jedenfalls nicht gemacht: Seine Zeitgenossen schildern Zwentibold als "unbegabt und hemmungslos".

Mit solch herausragenden Eigenschaften ausgestattet, sollte er eigentlich römischer Kaiser werden, da aber Vater Arnulf das Geschlechtsleben nicht lassen konnte (diese Kärntner!), erwuchs unserem Zwentibold ein Konkurrent namens Ludwig. Halbbruder, jünger und - im Gegensatz zu ihm - legitim. So wurde Zwentibold mit zarten 15 Jahren nach Lothringen abgeschoben. Dort war er König. Fünf Jahre. Aber auch dort wollten die örtlichen Großkopferten lieber seinen Bruder Ludwig haben. Der war ja auch schon sieben. Sein Ende fand Zwentibold schließlich mit 20 Jahren in einer Schlacht gegen den Grafen Gerhard, welcher freundlicherweise noch im selben Jahr auch seine Gattin ehelichte.

Wenn Sie sich also jetzt denken: Verdammt, ich muss Steuern zahlen, das Auto ist kaputt, im Büro riecht es nach Erbrochenem, der Typ in der Nebenwohnung hört ständig Andreas Gabalier in Stadionlautstärke, unter meinem Fenster gibt es eine Kundgebung von islamistischen Veganern, die von alkoholisierten Identitären mit alten Hypo-Alpe-Adria-Aktien beworfen werden und das Wetter ist sowieso eine Frechheit, dann... denken Sie mal an den heiligen Zwentibold. Vom Vater degradiert, in eine Gegend abgeschoben, wo man ihn nicht wollte, lang vor Pensionsanspruch ein Bankerl g’rissen und von der eigenen Frau posthum gehörnt. Und dazu noch Träger des wahrscheinlich blödesten Vornamens der Welt. Na, da kann man doch einmal laut aufseufzen: "Oh, heiliger Zwentibold... naja... Du weißt eh."