Wie lang ist zu lang? Das fragt man sich angesichts der alljährlich zur Sommerszeit wiederkehrenden Debatte um die passende Dauer der Sommerfe-rien. Da die Ferien nun vorbei sind, kann man entspannt darüber sinnieren: Bei neun Wochen Schulfreiheit haben Eltern bisweilen ein sogenanntes Betreuungsproblem. Also sollen die Kinder weniger Ferien und mehr Schule haben. Die Lehrer aber hängen wohl mehrheitlich der Meinung an, neun Wochen Erholung seien für sie - nach einem langen Schuljahr - eine gerade hinreichende Zeitdauer. Sie sind also ausnahmsweise mit den Kindern einer Meinung und drängen deshalb nicht wirklich auf eine Verkürzung der Ferien.

Damit alle möglichen Standpunkte in diesem Zusammenhang genannt sind, gebe ich bekannt, dass ich es vorzöge, elf Wochen schulfrei zu haben. Auch wenn ich mit meinem Wunsch bei der Mehrheit auf taube Ohren stoßen dürfte, halte ich damit dennoch nicht hinter dem Berg: Ich kenne noch andere Eltern, die mit ein paar Wochen mehr an Freiheit für ihre Kinder durchaus etwas anzufangen wüssten. Allerdings wagen sie nicht, den Mund aufzumachen. Denn wer zu viel Zeit für seine Kinder hat, kommt schnell unter Generalverdacht: Die Leute müssen unanständig reich und/oder wenigstens unanständig konservativ sein. Das sind die zwar allesamt nicht, doch das hilft ihnen auch nichts.

Stellen wir uns das Ganze einfach einmal vor: Wir verkürzen also die Sommerferien und machen stattdessen mehr Ferien im Herbst und im Frühling. Ich kenne einige Eltern, die gerne eine zweite volle Woche zu Ostern hätten und dann noch rund um den Staatsfeiertag etwas unternehmen möchten. Es handelt sich dabei um Leute, die ihre Freizeit so leben, als ob sie auf der Flucht wären. Sie fahren stets weg, wenn drei zusammenhängende Tage einen Kurztrip möglich machen. Sie würden wohl gern in den Genuss der günstigeren Tarife zu Ostern kommen. Ich fürchte jedoch, die Reisebranche wäre flexibel genug, um die Tarifstruktur den neuen Feriengegebenheiten anzupassen. Und alles, was über die fünf Wochen Elternurlaub hinausgeht, erzeugt auch im Frühling oder im Herbst ein Betreuungsproblem.

Wenn die Ferienlatte bei fünf Wochen liegen soll, müssten die Kinder vier Wochen länger in die Schule gehen. Interessant wäre es ja immerhin, zu sehen, ob sie und wenn ja, wie viel sie dann gescheiter würden. In der Schweiz ist die Feriendauer Kantonssache und schwankt zwischen drei Wochen im Aargau und zehn Wochen im Tessin. Ich habe noch nie gehört, dass die Tessiner dümmer wären.