Es war im Herbst des Vorjahres, als China seine jahrzehntelange Ein-Kind-Politik offiziell für beendet erklärte. Zuvor hatte die chinesische Akademie der Wissenschaften eine Zwei-Kind-Lösung vorgeschlagen, um auf die Alterung der Gesellschaft und die fallende Geburtenrate zu reagieren. Statistisch bekommt heute jede Chinesin im Schnitt weniger als 1,6 Kinder. Für eine stabile chinesische Bevölkerung wäre aber eine Quote von 2,1 Kindern pro Mutter notwendig.

Zwei Kinder pro Ehepaar: Das galt schon im alten Rom als Durchschnitt. Wer mehr Kinder hatte, wurde aber keineswegs bestraft, sondern erhielt Vergünstigungen: Ab drei Kindern durften römische Väter im öffentlichen Dienst damit rechnen, schneller befördert zu werden, während die Frau nun selbständig ihren Besitz verwalten durfte und juristisch unabhängig war - für die an sich rechtlosen Frauen eine gewaltige soziale Aufwertung. Darüber hinaus gab es für kinderreiche Familien weitere Privilegien, die man unter der Bezeichnung "Dreikinderrecht" (ius trium liberorum) zusammenfasste. Freigelassene mussten in Italien vier, in den Provinzen fünf Kinder haben, um das Dreikinderrecht geltend machen zu können.

Aufgrund des Kinderkults waren Junggesellen gar nicht gern gesehen. Die Censoren Camillus und Postumius verfügten schon 403 v. Chr., dass ältere Junggesellen öffentlich gerügt werden sollten, zumal sie ihre Pflicht dem Staate gegenüber nicht erfüllten. Zudem sollten saftige Bußgelder sie dazu bewegen, sich eine Frau zu suchen. Grund der Aktion war wohl ein akuter Bevölkerungsrückgang.

Im Jahr 31 v. Chr., am Ende des langen Bürgerkriegs, stand Rom vor einem ähnlichen Problem. Die Männer zogen es vor, Kurtisanen auszuhalten, die ehrbare Töchter meist an Charme und Lebendigkeit übertrafen. So sank die Zahl der Eheschließungen, und damit die der legalen Kinder. Der erste Kaiser, Augustus, versuchte das Problem durch umfassende Ehe- und Sittengesetzgebung zu lösen. So mussten Männer im Alter von 25 bis 60 und Frauen von 20 bis 50 Jahren verheiratet sein - oder Bußgelder entrichten. Nach Scheidung oder Tod des Ehegatten gab es eine kurze "Schonfrist".

Außer diesem Belohnungs- und Bestrafungssystem zur Bevölkerungssteigerung enthielten die Augusteischen Gesetze (19/18 v. Chr.) Bestimmungen, die den Ehebruch eindämmen sollten. Der Ehemann durfte die Frau nun im Ernstfall zwar nicht mehr erschlagen, doch sah man andere Strafen vor. Meist wurden Frau und Liebhaber auf zwei verschiedene Inseln verbannt. Zudem konnte selbst der Ehemann, da er seine Aufsichtspflicht verletzt hatte, bei Ehebruch seiner Frau bestraft werden.