Holger (auch noch optimierbar...) Rust, geboren 1946, ist Publizist und Professor für Soziologie in Hannover und ständiger Glossist im "extra" der "Wiener Zeitung".
Holger (auch noch optimierbar...) Rust, geboren 1946, ist Publizist und Professor für Soziologie in Hannover und ständiger Glossist im "extra" der "Wiener Zeitung".

Designthinking ist die neue Losung. Nicht nur für Unternehmen, nein auch und vor allem für uns selbst. Es hat ja schon gut begonnen: Die Figur ist getrimmt, strammer Bauch, federnder Schritt, gerade Haltung, die Persönlichkeit in Coachings gestählt. Alles da: Schlagfertigkeit, Kunstverstand und Weinkenntnis.

Jetzt wird es Zeit für die Feinheiten. Zuallererst einmal der Name, genauer: der Vorname. Soll ja zum Auftritt passen. Nun kann sich den kaum jemand aussuchen. Aber das, was man mitgekriegt hat, lässt sich designmäßig polieren. Wenn jemand, und das ist jetzt fiktiv, Herbert oder Werner heißt oder auch Julian beziehungsweise Mark, mit Nachnamen meinetwegen Pointner oder Wedemeier, dann sind das schöne Namen.

Noch schöner aber klingt es, wenn man in der Geburtsurkunde nach einem meist vergessenen weiteren Vornamen sucht und sich dessen Initial auf die Karte drucken lässt: Herbert F. Pointner oder Julian B. Wedemeier. Dies ermöglicht den Partnern im Zuge einer zunehmend freundlichen Beziehung, den global üblichen Dreiklang der Initialen zum charakteristischen Kürzel umzubauen. Dann wird aus Herbert HFP und aus Julian JBW. Klingt besonders schön auf Amerikanisch. Nur Kombinationen wie HNO oder KGB sollten nicht zustande kommen.

Das waren nun Männernamen. Interessant ist eine ungeschriebene Regel, wonach der weibliche Zweitvorname ausgeschrieben besser wirkt als versteckt im Initial. Odile R. Hohenfeld, auch dies ein erfundener Name, hört sich kaum so schön an wie der vollständig dokumentierte Identitätsnachweis: Odile-Renata Hohenfeld.

Für beide Seiten gilt ein schöner Zusatznutzen: Da der zweite Vorname meist auf einen Ahnen oder eine Ahnin zurückgeht, deren Vermächtnis in Erinnerung gehalten werden soll, ist gleichzeitig immer ein hübsches Thema für den neuerdings so wichtigen Small Talk zur Hand. Das F? Nun, das steht für Ferdinand - Großvater mütterlicherseits. Stammte aus einer französischen Linie, die auf die Grosmontands zurückgeht. Und Renata? Eine Urgroßmutter aus Mailand. Französische Linie, italienische bisnonna: Genealogisches Globalisierungsdesign.

Noch besser ist es freilich, man hat direkte Vorfahren aus unterschiedlichen Regionen, die in dieses Muster integrierbar sind. Damit sind nicht Bundesländer gemeint: Vater aus Niederösterreich, das klingt ja doch ein wenig provinziell. Nein: Italien, Portugal, Ägypten, gemischt mit Russland, Schweden oder zur Not auch Großbritannien. Das macht was her.

In Schweden aufgewachsene Halbägypterin! Süd und Nord, multipler Charakter. Ich erinnere nur an Thomas Manns Kopfgeburt Tonio Kröger. Ein Welterfolg! Und Dauerthema für Exegeten. Was zum Zukunftsmanagement des Namings führt: Aus alledem folgt nämlich, dass man dem Nachwuchs nichts Besseres mit auf den Weg geben kann als Namen, die ausgesprochen wie hintergründig das Design eines Romancharakters aufweisen.