Also fair ist das nicht. Wenn man schwitzt wie ein Schwein und gerade damit beschäftigt ist, den linken Fuß vor den rechten zu setzen, den rechten Fuß vor den linken, immer wieder, husch, husch, und dabei die Atmung zu kontrollieren hat, den Puls und die eigene Überraschung für den Fall, dass (endlich!) die zu erwartende Glückshormonausschüttung einsetzt - und einem Dave Gahan über den MP3-Player plötzlich "Suffer well" ins Ohr singt.

Man leidet ja ohnehin schon wie ein Hund, während man den linken Fuß vor den rechten setzt, den rechten Fuß vor den linken, immer wieder, husch, husch, und doch keinen echten Meter vorankommt. Man befindet sich schließlich in der Muckibude in der Abteilung für Ausdauerfanatiker (die nicht wie die Kollegen vom Stockwerk darunter aussehen wie der unglaubliche Hulk als Cornetto mit Sixpack) auf dem Laufband und beginnt spätestens über Zeit nachzudenken, als "A Question Of Time" im Kopfhörer läuft.

Zeit nicht unbedingt wie Laufzeit, eher Zeit wie Zeit, die relativste aller festen Größen! Würde man jetzt etwa, in ein gutes Buch vertieft, auf fernen Sandstränden liegen oder im Massageinstitut im Haus gegenüber auf Frottee gebettet und von Zitrusdüften umnebelt entspannende Knetbewegungen auf dem Rücken verspüren, hätten sich die letzten 34 Minuten und 46 Sekunden nicht gezogen wie Strudelteig, nein, man würde sie, frei nach der ORF-Box-Moderatorenlegende Sigi Bergmann, eher als Wimpernschlag einer Libelle erinnern. Jedenfalls fühlt man sich allmählich wie ein nasser Sack, der kurz vor dem K. O. in den Seilen hängt, und macht doch weiter, den linken Fuß vor den rechten zu setzen, den rechten Fuß vor den linken, husch, husch, oh well.

Nur die Hort’n kuman durch! Rainhard Fendrich ("Es lebe der Sport") hat man zwar nicht auf dem MP3-Player dabei und, wie einem einfällt, während man vor der spätabendlichen Glasfassade (oder bloß vor den Augen?) auf einmal Sternderl sieht, Ludwig Hirsch gleichfalls nicht (seine Musik wäre für die Bestzeit auch zu depressiv), dafür aber Trent Reznor, das ewige Energiebündel der Nine Inch Nails, den alten Hulk, der pünktlich zum Endspurt auftaucht und als Sergeant Drill den Motivationstrainer gibt: "Hyperpower!", "Survivalism!", allerdings auch: "This is the beginning. The beginning of the end."

Aus, Maus, husch, husch, nach Haus! Leider bemerkt man draußen im Regen, was man daheim vergessen hat. Es ist der von Rihanna als beliebteste Muckibuden-Beschallungs-Künstlerin gerade noch in der Umkleide besungene "Umbrella, ella, ella". Tja, blöd gelaufen! Suffer well.