Matthias G. Bernold, geboren 1975, lebt als Journalist in Wien.
Matthias G. Bernold, geboren 1975, lebt als Journalist in Wien.

Dass die Zeiten schlechter werden, weiß jeder, der ein Ohr auf die Geleise des Weltenlaufs legt. In Russland: Drohgebärden. In der Türkei: Jagd auf Oppositionelle und Journalisten. In Nordafrika: Bürgerkrieg, Chaos. Die zerbröselnde Europäische Union, gebeutelt von Nationalismen, am Gängelband der Konzerne. Das vorherrschende politische Klima: angsterfüllt.

Dennoch wäre es falsch, sich von Bösewichten, Autokraten und Demagogen in- und außerhalb der Grenzen Österreichs die Laune verderben zu lassen. Dass die Zeiten schlechter werden, heißt nämlich keinesfalls, dass es deshalb weniger zu lachen gäbe. Wer dies bezweifelt, rufe bitte die Videoplattform YouTube auf und suche nach Beiträgen zu den Scheusalen der Menschheitsgeschichte: Der "Leasingvertrag" von Gerhard Polt zum Beispiel. Damit gelingt dem bayrischen Kabarettisten mit Hilfe von Adolf Hitler ein Klassiker des Diktatoren-Humors. Richtig in Szene gesetzt offenbart sich das drollige Potenzial einer Schauergestalt.

Autoritäre Führungspersönlichkeiten bewähren sich überhaupt als Inspirationsquelle. Erinnern Sie sich noch an Wladimir Putins Ritt durch die Tundra? Der lieferte die Vorlage für unzählige weitere Videos, in denen der russische Staatschef mit nacktem Oberkörper auf Bären, Kometen oder As-tronauten durch das Internet trabt. Andere populäre Heldenfiguren sind Nordkoreas Staatschef Kim Jong-un und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. Wer auf YouTube nach "Kim Jong-un" und "Parodie" sucht, findet 134.000 Einträge. Erdogan kommt immerhin auf 28.600 - aber da ist sicher noch Luft nach oben, der Mann hat ja noch viel vor.

Eines ist freilich jetzt schon klar: Keiner kann "The Donald" das Wasser reichen: satte 8,050.000 Hits (bei der Suche nach "Trump" und "Parodie"). Wobei es schwer zu sagen ist, ob die Videos, die Trump in Szenen aus "Game of Thrones" oder "Starwars" montieren, wirklich lustiger sind als die surrealen Auftritte des gewählten US-Präsidenten im echten Leben: "We can’t be the stupid people any more."

Frauen - um auch den Gender-Aspekt einzubringen - sind in der Hitliste der vergnüglichen Fürchterlichen unterrepräsentiert, selbst wenn sie politische Spitzenämter innehaben. Angela Merkel zum Beispiel gilt eher als Person des Ausgleichs und der sorgfältigen Wortwahl denn als Lieferantin absurder Zitate. Sarah Palin, die Kandidatin fürs US-Vizepräsidentinnenamt 2008, war für solche Sager gut. Nur ist der Stern der Politikerin aus Alaska längst verglüht.

Wir müssen wohl noch etwas Geduld haben, bis die erste Frau vom Format eines Donald Trump das politische Parkett betritt. Also: Ohr an die Geleise. Zuwarten.