Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

In meinem Freundeskreis ist eine heftige Debatte ausgebrochen. Schuld daran war die Neubesetzung der Galerie Belvedere. Die Medien berichteten über die Kritik an der Direktorin Agnes Husslein und über die Bestellung von Stella Rollig zur Nachfolgerin. Wie spricht man den Namen des Schlosses richtig aus?

Heftiger waren freilich die Diskussionen über die Frage, ob Agnes Hussleins Verfehlungen, die sie selbst eingestanden hat, ausreichten, um sie aus dieser Position zu entfernen. Ich meine, dass Angestellte einer staatlichen Einrichtung ganz besonders darauf achten sollten, dass Geschäftliches und Privates nicht vermischt wird. Aber das soll nicht Thema dieser Kolumne sein.

Einige meiner Freunde legten Wert darauf, dass das Schluss-e ausgesprochen wird. Es sei eindeutig ein italienischer Name. Andere favorisierten eine französische Aussprache ohne Schluss-e. Der Prinz von Savoyen sei ja ein Franzose gewesen. Ich bin ungern Schiedsrichter bei derartigen Fragen. Was richtig und was falsch ist, ändert sich im Laufe der Zeit. Außerdem kann etwas für den einen richtig und für den anderen falsch sein.

Wobei mich das Thema schon einmal beschäftigt hat. Als ich mit dem ORF-Moderator Horst Friedrich Mayer den zweiten Band des "Lexikons der populären Irrtümer Österreichs" verfasste, bezogen wir eine klare Position: Es handelt sich um eine italienische Wortschöpfung: aus bello (schön) und vedere (sehen). Die Bezeichnung stammte nicht von Prinz Eugen, zu seinen Lebzeiten sprach man vom "Garten des Prinzen Eugen".

Später kaufte Maria Theresia von den Erben des Prinzen das Schloss. Damals ist der italienische Name Belvedere aufgetaucht, daher ist das Wort italienisch auszusprechen. Die französische Aussprache ohne e am Schluss ist eine Kreation der Wiener. Französisch galt ja im alten Wien als besonders elegant. Hätte Maria Theresia einen französischen Namen wählen wollen, so wäre es naheliegend gewesen, das Schloss mit dem Namen Bellevue zu versehen.

Es gibt viele Gebäude und Plätze, die Belvedere in ihrem Namen tragen, weil es von dort eine schöne Aussicht gibt. Italienisch mit e am Schluss, Französisch ohne e am Schluss, z. B. Belvédère-Campomoro auf Korsika.

Zu meiner Überraschung führt das "Österreichischen Wörterbuch" in Lautschrift zuerst die französische Aussprache und erst dann die italienische an. Erläuternd heißt es: "Das Wiener Belvedere wird traditionellerweise ohne das Schluss-e ausgesprochen - unter Einfluss des Französischen oder wie auch regional im Italienischen."

Wie man feststellen konnte, dass die französische Aussprache in Österreich bevorzugt wird, weiß ich nicht. Und das Argument, dass manche Wiener das Schluss-e deshalb verschlucken, weil es auch in einigen Regionen Italiens üblich ist, halte ich für eine Chuzpe.

Der ORF hat jedenfalls in seinen Ausspracherichtlinien den Moderatoren und Redakteuren die Aussprache mit Schluss-e verordnet, und auch die neue Stimme der Öffis, die Schauspielerin Angela Schneider, kündigt die entsprechende Station des D-Wagens mit Schluss-e an. Emotional bin ich auf der Seite des ORF und der Wiener Linien.