Soooo viele offene Fragen. Und täglich werden es mehr.

Trump - ist das ansteckend? Können wir das bei uns auch kriegen? Droht ein "Calexit" und wird Hillary Clinton dann Präsidentin von Kalifornien? Oder wird der "Golden State" nach dem Austritt aus den Vereinigten Staaten dem Commonwealth beitreten und die neue Nationalhymne wird "God Save The Queen" sein? (Wenn Kanada eine britische Königin als Staatsoberhaupt haben kann . . . Und Elisabeth II. ist wenigstens eine Frau und kein Macho.) Wird Amerika einen "Amexit" machen? Äh, aus den USA austreten? Nein, aus der Nato! ("Make America Great Again!") Kommt es daraufhin in Österreich zum "Öxit" ("Make Austria Small Again" - hm, Österreich ist doch gar nicht in der Nato oder in den USA), außer die Österreicher treten geschlossen dem Verein "Gemeinsam gegen Sauron" bei und wählen in letzter Sekunde, bevor am 4. Dezember die Wahllokale schließen, den Hobbit Frodo aus dem Auenland zu ihrem Bundespräsidenten (das Auenland liegt irgendwo im Tiroler Kaunertal), weil sonst die FPÖ in Österreich die Weltherrschaft ergreift und hier ihr finsteres "Alpen-Mordor" errichtet? Und wie hat es überhaupt so weit kommen können, dass dieser Typ da Präsident wird, der seine eigenen Haare so trägt wie ein schlechtes Toupet?

Die letzte Frage kann ich beantworten: Weil Amerika Amerika ist. Wäre Amerika Österreich, hätte natürlich Hillary Clinton gewonnen. Okay, hat sie eigentlich eh. Die Amerikaner haben immerhin sie gewählt. Sie hat fast eine Million Stimmen mehr. (Der Al Gore ist damals, im Jahr 2000, dem Republikaner George W. Bush bloß mit etwa 500.000 Stimmen Vorsprung unterlegen.) Und trotzdem zieht der andere ins Weiße Haus ein. Das liegt am Wahlsystem, das sogar komischer ist als die Frisur von Donald Trump. Und das die Demokraten grad ziemlich undemokratisch finden, nämlich geradezu republikanisch. Tja, wenn Österreich Amerika wäre, hätten wir längst einen Bundespräsidenten. Den Norbert Hofer. Die Blauen hätten die Wahl jedenfalls nicht angefochten. Aber vermutlich die Grünen. Wählen würden wir in zwei Wochen also sowieso.

Ach, und wie hätte der Hofer die aufgehobene Stichwahl am 22. Mai gewonnen trotz seiner 30.863 Stimmen Rückstand? Ganz einfach: auf Amerikanisch. The winner takes it all. Jedem Bundesland werden entsprechend der Einwohnerzahl Wahlmänner zugeordnet und wer im betreffenden Bundesland vorne liegt, erhält sämtliche Wahlmänner von dort. Und wo bekommen wir jetzt diese ominösen Wahlmänner her? Na ja, aus dem Bundesrat. (Blöde Frage.) Ich hab zwar keine Ahnung, wofür der sonst noch gut ist, doch als Wahlmännerkollegium tät er sich super eignen. Schließlich ist das der Vertretungskörper der Bundesländer auf Bundesebene (hä?) und die Anzahl der Mitglieder pro Bundesland ist an die Bevölkerung gekoppelt. Ich rechne aus: Oberösterreich (10), Tirol (5), Vorarlberg (3), Wien (11). Macht 29 Wahlmänner für Van der Bellen. Burgenland (3), Kärnten (4), Niederösterreich (12), Salzburg (4), Steiermark (9). Ergibt in Summe: Norbert Hofer ist Bundespräsident.

Egal, wer es nun tatsächlich wird, wenigstens wird er der Bundespräsident von Österreich sein. Nicht von Österreichs Vertretungskörper.