Meine Kinder haben die Volksschule hinter sich gelassen und sind mittlerweile alle drei im Gruppenarbeitsalter angelangt. Dieser Aufstieg bringt leider nicht so viel Freude, wie man sich das wünschen würde. Die Erlebnisberichte meiner Kinder über diese Methode des Unterrichtens jedenfalls werte ich als Indiz dafür, dass sich die Natur des Schülers nicht wirklich geändert hat: Einer in der Gruppe hat das Sagen - und die anderen fügen sich meist gern, denn so haben sie ihre Ruhe.

Zu meiner Zeit war es so: Gruppenarbeiten machten tendenziell junge Lehrer, die noch nicht lange von der Uni abgegangen waren. Man tat gefühlt eine halbe Ewigkeit herum, bis sich endlich die Gruppe gefunden hatte. Sodann fasste man die Aufgabenstellung aus, setzte sich Bänke verschiebend an einem Tisch zusammen und fing irgendwie an. Meist versackte der Anfangselan innerhalb weniger Minuten. Dann plauderten wir, bis es hieß, man möge bitte zu Ende kommen und jemanden bestimmen, der das Ergebnis der Gruppenarbeit vorträgt.

In den nun noch verbleibenden Minuten warf ich ein paar Sätze oder Stichworte auf einen Zettel und trug sodann das Ergebnis meiner Gruppe vor. Denn die Gruppen waren üblicherweise so zusammengesetzt, dass aktivere Schüler mit weniger aktiven zusammenkamen. Also ergab es sich, dass meist ich das vortrug, was ich zuvor notiert hatte.

Wenn die Lehrperson einmal eine/n andere/n aus der Gruppe zum Vortrag bestimmte, war es an mir, unauffällig einzusagen. Trotz meiner vergleichsweise starken Beteiligung habe ich das Arbeiten in der Gruppe in jener Erinnerungsrubrik abgespeichert, wo das Fadeste vom Faden gelistet ist.

Auf der Schülerseite hat sich also offenbar nichts geändert. Wenn ich auf Lehrer treffe, frage ich gelegentlich, wie sie es mit der Gruppenarbeit halten. Und kurioserweise hat sich auch hier nichts geändert. Lehrer finden die Arbeit in der Gruppe wunderbar effizient. Nicht ganz so gute Schüler profitieren von der Kommunikation mit den besseren Schülern. Als ich einer besonders netten Englisch-Lehrerin kürzlich gestand, dass ich die Mitarbeit meiner Schulkollegen gar nicht erstrebenswert fand, war sie platt. Das dürfe natürlich nicht sein. Als ich dem Lehrer meines Sohnes berichtete, dass E. sich nicht an der Arbeit beteiligt hatte, weil der Gruppenführer das nicht erlaubt hatte, war er ebenfalls überrascht. Offensichtlich ist es schwer, mitzubekommen, was in Gruppen passiert. Vielleicht liegt in diesem Geheimnis ein Teil der Attraktivität dieser Unterrichtsmethode begründet. Ganz auszuschließen ist auch nicht, dass die relative Ruhe, die das Arbeiten in der Gruppe für den Lehrer bringt, ebenfalls eine Rolle spielt.