Fast surreal: Österreich hat einen Bundespräsidenten. Ich glaub’s erst, wenn er angelobt worden ist. Also am 26. Jänner. Vorher ist er eigentlich eh noch nicht der Bundespräsident. Von seiner Existenz überzeugt sein werde ich aber sowieso erst am 26. Oktober. Wenn ich ihm am Tag der offenen Tür in der Hofburg die Hand geschüttelt habe. Tja, ich bin eine ungläubige Tomate. (Oder ist Tomate nicht die weibliche Form von "Thomas", sondern von "Paradeiser"?)

Dessen ungeachtet: danke! An alle Wähler. Natürlich auch an die vom Verlierer. Die waren am Wahlergebnis schließlich ebenfalls maßgeblich beteiligt. Und als Nichtwählerin, die einfach nur zu wählerisch war, um einen der beiden zu wählen, bin ich da ohnedies neutral. Obwohl es mich als Feministin zugegebenermaßen nicht völlig kaltgelassen hat, dass die Van-der-Bellen-Wähler am 4. Dezember gerade noch verhindern konnten, dass . . . eine Frau ihren Job verliert. Nämlich dem Hofer seine. Die hätte sonst in First-Lady-Karenz gehen müssen und hätte nimmer als Altenpflegerin arbeiten können. Wegen ihrer Verpflichtungen als Ehefrau des Bundespräsidenten. Hat zumindest ihr Mann gemeint. Dem VdB seine Doris darf weiterhin ihr eigenes Geld verdienen. Im Parlamentsklub der Grünen. Hm. Gefährdet sie damit nicht die Überparteilichkeit des Bundespräsidenten? Nein, wieso? Die heißt ja nicht einmal so wie er. Schmidauer, das klingt doch nicht im Entferntesten wie Van der Bellen.

Mit einem andern Wahlausgang hätte ich jedenfalls genauso leben können. Denn erstens mag ich Horrorfilme und zweitens bin ich auf diese Gräuelpropaganda eh nicht reingefallen, wonach es bei uns dann zugehen würde wie in "Die Mumie kehrt heim ins Öster-Reich": "Kommt Hofer. Kommt Ötzi. Kommt Bauernsterben." Was? "Öxit" hat der in dem TV-Spot gesagt? A so. Ich hab mich schon gewundert, weshalb eine gefriergetrocknete Mumie aus ihrer Kühlzelle in Südtirol ausbrechen und unsere Bauern abmurksen sollte.

Okay, manche finden es vielleicht ungerecht, dass der eine die meisten Stimmen gekriegt hat und trotzdem bloß Vorletzter geworden ist. Na ja, das ist eben so bei einer Stichwahl. Kein Grund, deswegen gleich gegen die Wähler des Zweitplatzierten zu demonstrieren. Das ist irgendwie undemokratisch. Außerdem: Hallo? Der VdB hat doch gewonnen eh. Dritter hätte der Hofer ja wohl kaum werden können, oder? Das zwar nicht, aber weil er es nicht wenigstens versucht hat, sondern lieber mehr als 46 Prozent der Gültigwähler dazu gebracht hat, seinen Namen anzukreuzen, haben Widerstandskämpfer von der Antifa noch am Wahlsonntag ihre Fackeln angezündet. Um Falschwähler zu jagen? I wo. Damit man ihr Transparent in der Nacht besser lesen kann: "46 % - Es bleibt dabei: Österreich du Nazi." Alle Hofer-Wähler sind Nazis? Na servas. Weiß das der Verfassungsschutz? Ach, der ermittelt gegen diese Gfraster vermutlich längst. Wegen NS-Wiederbetätigung. Die 2.124.661 Anzeigen werden halt großteils gegen unbekannt erstattet werden müssen. Schuld ist das Wahlgeheimnis.

Keine Angst. Die Wahlen sind in Österreich immer noch frei. Man darf sein Kreuzl überall machen. Man sollte höchstens darauf achten, dass man kein Hakenkreuzl macht. Weil damit tät man wahrscheinlich schon gegen das Verbotsgesetz verstoßen.