Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Meine Lieblingsserie im ORF sind die "Landkrimis". Jede Folge ist in einem anderen Bundesland angesiedelt, und die Drehbuchschreiber sind offensichtlich angehalten, auf die Authentizität der Sprache zu achten. Das ist gut so, aber es ist ein schwieriges Unterfangen. Würden die Schauspieler in der lokalen Mundart reden, müsste man die Dialoge untertiteln. Das wäre mühsam für die Zuseher. Daher wird eine Ausdrucksweise gewählt, die als regionale Ausformung der Umgangssprache mit einigen
mundartlichen Einsprengseln zu
bezeichnen wäre.

Im Kärnten-Krimi "Wenn du wüsstest, wie schön es hier ist" waren einige Kennwörter des Kärntnerischen zu hören, beispielsweise "lei" - die Bedeutung kennt jeder, das Wort kann mit "nur" übersetzt werden. "Lei losn" ist eine Aufforderung, sich ja nicht anzustrengen, das Leben leicht zu nehmen. Oder Tocker - das Schimpfwort für einen dummen Menschen.

Die Handlung des Krimis war in Hüttenberg angesiedelt, vor dem Hintergrund einer Brauchtumsveranstaltung der Bergbauknappen. Die Marktgemeinde liegt im Bezirk Sankt Veit an der Glan, in einem Zwischenschnitt sieht man ein PS-starkes Auto mit dem Wunschkennzeichen SV LOSMI 4 - soll heißen: lass mich viere/vor.

Zu Beginn wird die Tochter des Landtagsabgeordneten in einem Schacht des Schaubergwerks tot aufgefunden. Ist sie alkoholisiert hineingestürzt oder war es ein Verbrechen? Verdächtigt wird ein Bewohner des Landesjugendheimes. Ich will die Auflösung nicht verraten, vielleicht hat jemand die Folge verpasst und kauft sich die DVD.

Aber eine kuriose Szene möchte ich doch schildern. Am offenen Grab bekommt der lokale Postenkommandant die Anweisung aus Klagenfurt, er möge die Beerdigung des Opfers abbrechen und eine Obduktion in die Wege leiten. Aufgeregt und entschuldigend sagt er zu den Bestattern: "Neuer Plan . . ." Der Vater, also der Landtagsabgeordnete, protestiert: "Mia wolltma unsa Tochter begrobm. Mia wolltma, dass dea Albtraum endlich an End hot."

In diesen Sätzen kommt eine grammatikalische Eigenheit des Kärntnerischen zum Vorschein, die mir ein Wahlkärntner, nämlich Universitätsprofessor Heinz-Dieter Pohl, schlüssig erklärte. Die Kärntner sagen: "Wir wollten wir . .." Sie verdoppeln also in der 1. Person Mehrzahl das Personalpronomen.

Das wird auch im gesamten bairisch-österreichischen Sprachgebiet so praktiziert, allerdings nur in der 2. Person Mehrzahl. "Ihr wollts . . ." ist eigentlich ein "Ihr wollt ihr . . .", denn das angehängte -s ist ein verkürztes ös, eine alte Dualform, die "ihr beide" bedeutet hat. "Ihr wollts den Urlaub schon jetzt buchen?" ist also ebenfalls eine Verdoppelung, die Formen "wolltma" und "wollts" sind aus demselben Holz geschnitzt.

Ein Zusatz für Sprachexperten: Weil das Pronomen an das Verb angehängt wird und mit diesem verschmilzt, spricht man von einem enklitischen Pronomen.

Natürlich sind in dem Krimi auch die typischen Kärntner Verkleinerungsendungen zu hören. Als der aus Klagenfurt angereiste Ermittler einen verdächtigen Burschen fragt, ob er einen Intimschmuck trägt, und dieser nicht gleich versteht, wird der Kriminalbeamte deutlicher: "A so a Zipfale-Ringale vielleicht?"