Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

"Haben Sie eine Paybackkarte?", fragt mich die Frau, die an der Kassa von meinem Supermarkt sitzt. "Nein. Danke." Sag ich drauf. "Sammeln Sie vielleicht Treuepunkte?", fragt sie wieder. Ich räume die gekauften Lebensmittel in meine Tasche und sage: "Auch nicht, danke." "Vielleicht wollen Sie an unserem Gewinnspiel teilnehmen? Es gibt eine Reise zu gewinnen... nach... warten Sie... gleich hab ich’s."

Die lässt nicht locker. Ich bleibe freundlich, schließlich muss ich nur noch die Zitronen, das Joghurt und die Pistazien einräumen. "Nein danke, wirklich nicht." - "Aha, so einer sind Sie." - "Bitte? Was für einer bin ich?" - "Na so einer, der gar nichts mag. Keine Paybackkarte. Keine Treuepunkte. Nicht einmal einen Urlaub wollen Sie geschenkt. Geschenkt! Aber der feine Herr sagt, nein nein, nein. Ein Totalverweigerer!" - "Moment, ich hab da durchaus meine Gründe dafür." - "Aha! ,Gründe‘ hamma. Na bravo! Was denn? Paybackkarten-Verbot vom Arzt? Bei Treuepunkten wird meine Frau eifersüchtig? Freizeitphobie?" - "Moment mal, ich lass mich doch von Ihnen da nicht deppert von der Seite anreden, nur weil ich..." - "Schön sprechen! Ich hab Sie nicht deppert angeredet, sondern nur etwas gefragt." - "Äh... ja... gut, dann lass ich mich eben nicht von Ihnen da einfach etwas fragen, nur weil ich..." - "Und warum darf ich Sie nichts fragen? Sind Sie Geheimnisträger im Supermarkt? Der Agent im Kühlregal? Mitglied des Secret-Shopping-Service?" - "Nein, ich möchte einfach nur keine verf..." - "Schön sprechen, hamma gesagt." - "Ich möchte einfach keine Paybackkarte. Und keine Treuepunkte. Und auch an keinem Gewinnspiel teilnehmen. Das muss doch möglich sein." - "Eh. Aber warum?" - " Weil ich die Kontrolle über meine Daten behalten möchte." - "Kontrolle über die Daten... Sie sind echt lieb!" - "Wieso?" - "Sind Sie auf Facebook?" - "Äh... ja." - "Und einen Google-Account haben Sie auch?" - "Ja." - "Und ein Smartphone?" - "Sicher." - "Und Sie wollen Kontrolle über Ihre Daten haben? Hahaha!" - "Irgendwie klingt Ihr Lachen doch ein bisserl herablassend." - "Echt Schatzi? Weißt Du, was Du da machst? Das Haus steht unter Wasser und Du wechselst die Dichtung von der Abwasch aus, damit nichts nass wird. Hahaha!" - "Aber das heißt noch lange nicht, dass wir uns plötzlich duzen." - "Bitte, der Herr, natürlich nicht." - "Geht doch. Und wegen den Daten..." - "Der Daten. Wegen verlangt den Genetiv." - "Was? Ah, ja. Also wegen der . . . das klingt aber blöd." - "Ist aber korrekt." - "Also wegen... also weil wir gerade von meinen Daten sprechen: Das ist eben der letzte Rest von Würde, die man als gläserner Bürger... sozusagen offener Datenträger ... Superwortwitz, oder? ... noch hat. Und die verteidigt man. Also ich." - "An der Supermarktkassa?" - "Ja." - "Na gut. Wollen Sie dann wenigstens vielleicht ein Bankkonto eröffnen?" - "Nein!" - "Eine Wohnung mieten? Eine Lebensversicherung abschließen? Ihren genetischen Code auswerten lassen?" - "Nein. Nein. Und Nein!" - "Und das Gewinnspiel? Urlaub? Na?" - "Nnn. .. na gut. Geben’s her. Wohin geht die Reise eigentlich?" - "Nordkorea." - "Wie passend." - "Gell? Und ich krieg dann noch 27,39 Euro von Ihnen. Wollen Sie mit Karte zahlen?"