Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Die anderen hineinzulegen, ist ein Spaß. Man kann es das ganze Jahr hindurch tun, muss nicht auf den Fasching warten. In der Vergangenheit haben sich vor allem Schriftsteller dieser Methode bedient.

Bei Egon Friedell begann alles mit einem Druckfehler. Als er ein Feuilleton über den norwegischen Dichter Knut Hamsun verfasste, machte der Fehlerteufel Hamsun zu Haresu. Friedell war von dem fremd klingenden Namen so fasziniert, dass er dem "Neue Wiener Journal" einen Beitrag über den japanischen Dichter Haresu mit erfundenen Inhaltsangaben der Werke schickte - der Beitrag erschien.

Helmut Qualtinger kündigte mit einem Schreiben auf PEN-Club-Briefpapier "die Ankunft des berühmten Eskimo-Dichters Kobuk" am Wiener Westbahnhof an. Als der Zug einfuhr, entstieg Qualtinger mit Pelzmantel und Pelzhaube bekleidet dem Waggon und sagte zu den wartenden Journalisten: "Haaß is’!" Obwohl die Bombe damit geplatzt war, berichtete die "Arbeiterzeitung" tags darauf über das uvre des Dichters. Dass der Schlittenhundroman "Heia, Musch, Musch" eine Erfindung Qualtingers war, fiel nicht auf.

Stefanie Holzer und Walter Klier schickten einst dem Zsolnay-Verlag im Rahmen eines "literatursoziologischen Experiments" das Manuskript "Winterende" und gaben es als ein Werk Luciana Glasers aus - eine angeblich aus Bozen stammende Frau, die anonym bleiben wolle. Die beiden Autoren - sie schreiben heute regelmäßig für die Samstagbeilage der "Wiener Zeitung" - wollten zeigen, wie man mit marktkonformer Banalität in die Bestsellerlisten kommt. Das Vorhaben gelang.

Zuvor hatten Franz Josef Czernin und Ferdinand Schmatz den Lektor des Residenz-Verlages hineingelegt. Sie schickten ihm schlecht gemachte, aber leicht verdauliche Gedichte, die prompt zwischen Buchdeckeln erschienen.

Was früher Einzelaktionen waren, hinter denen immer eine aufklärerische Absicht steckte, wird heute von Redakteuren satirischer Websites wie am Fließband produziert. In Österreich ist dietagespresse.com besonders beliebt. Dort wurde gestern berichtet, dass Heinz-Christian Strache kurz vor dem Akademikerball als dritten Vornamen Dragan angenommen habe. Stolz hielt er auf dem Bezirksamt Wien-Landstraße seinen neuen Ausweis mit "Dr. H. C. Strache" in die Kamera. Den Vorwurf, sich einen akademischen Titel erschlichen zu haben, bezeichnete er als Hetzkampagne. Die Serben Wiens reagierten sofort: "Auf der Ottakringer Straße bildete sich ein spontaner Autokorso aus 3er BMWs bis zur Lugner City."

Ein guter Nährboden für satirische Websites sind zurzeit die Vereinigten Staaten. Auf fakenewswatch.com werden vierzehn derartige Websites aufgelistet, am beliebtesten soll TheOnion.com sein. Auf TheSpoof.com fand ich die Meldung, dass Donald Trump für seine Inaugurationsfeiern mangels heimischer Angebote die Punk Band "Pussy Riot" engagierte. Präsident Wladimir Putin habe sich erfreut gezeigt, "dass russische Avantgarde-Talente bei einem derart monumentalen Ereignis auftreten dürfen". Und es gebe einen schönen Nebeneffekt: "Jetzt sind die kreischenden F... eine Zeit lang nicht in unserem Land und ich muss sie nicht einsperren lassen."