Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Ein Wort, zwei Bedeutungen. Fake-News im eigentlichen Sinn sind Internet-Meldungen mit ganz oder teilweise erfundenen Inhalten. Damit sollen mehrere Ziele erreicht werden: möglichst viele Abrufe und damit hohe Werbeeinnahmen auf Google zu generieren und das Vertrauen in das politische System zu untergraben.

In den USA gibt es Websites, die auf Fake-News spezialisiert sind. Die englische Version des Internet-Lexikons Wikipedia listet die wichtigsten Fake-News-Websites auf, damit sich jeder orientieren kann.

Ein Beispiel für eine Fake-Nachricht ist Pizzagate. Ohne Beweise wurde behauptet, dass sich im Keller einer Pizzeria in Washington, D.C. ein Kinderpornoring befinde, in den die Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton verwickelt sei. Auch Denzel Washington stand im Mittelpunkt einer getürkten Nachricht. Es wurde eine Meldung fabriziert, wonach der schwarze Schauspieler und zweifache Oscarpreisträger die Wahl Donald Trumps unterstütze. Derartige Fakes verbreiten sich wie ein Lauffeuer über die sozialen Netze.

Österreich ist in dieser Hinsicht keine Insel der Seligen. Als am
4. Dezember die erste Hochrechnung veröffentlicht wurde und Alexander Van der Bellen als neuer Präsident praktisch feststand, passierte einem ausländischen Fernsehsender ein Missgeschick. Die Kamera im Presseraum des Innenministeriums schwenkte auf eine Leinwand mit den bis dahin ausgezählten Stimmen, und dort lag Norbert Hofer vorne. Der Moderator interpretierte die Bilder falsch und sagte einen Sieg des FPÖ-Kandidaten voraus. Obwohl der Sender den Fehler wenig später eingestand, kursierte auf rechten Internetseiten sofort eine Verschwörungstheorie: Die Regierung habe die Wahlen zugunsten Van der Bellens manipuliert, in Wirklichkeit habe Hofer gewonnen. Das Innenministerium stellte klar, was passiert war, aber die dubiosen und durchaus gesteuerten Kommentare waren inzwischen tausendfach geteilt worden.

Neuerdings haben rechtspopulistische Politiker den Ausdruck umgedeutet. Sie bezeichnen die Nachrichten der etablierten Medien als Fake-News. Marine Le Pen tut es, Donald Trump tut es, Heinz-Christian Strache tut es. Nachdem bei einer Pressekonferenz der Front National (FN) ein kritischer Journalist von Ordnern verprügelt worden war, brandmarkte die FN entsprechende Medienberichte selbst dann noch als Fake-News, als Videos der Prügelattacke bereits im Fernsehen liefen. Trump lehnte es ab, eine Frage von CNN zu beantworten: "Ihr seid Fake-News!" Strache beschuldigte die Regierung, "Fake-News am laufenden Band zu verbreiten". Da diese eine Enquete zum Thema Fake-News - im ursprünglich Wortsinn - ankündigte, meinte Strache: "Sollte tatsächlich ein Straftatbestand für Desinformation eingeführt werden, dann müsste es die ersten großen Strafen für die gesamte Bundesregierung samt ihrer Riege an medialen Hofberichterstattern hageln." Der Erfolg der "kritischen Internet-Medien" sei hingegen ein Segen für die Demokratie.

Historiker vergleichen die neue Bedeutung von Fake-News mit zwei Ausdrücken, die vor allem in der NS-Zeit in Gebrauch waren: Lügenpresse und Systempresse. Fake-News klingt harmloser.