Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Jetzt ist schon wieder was passiert. Ein Fußballfan, wir nennen ihn Karli, ist von seinem Klub mit einer mehrjährigen Platzsperre belegt worden. Und ob du es glaubst oder nicht: Er hat mit Freunden ein Transparent gebastelt - mit der Aufschrift "Sektion Platzverbot". Nun musst du wissen: Wer sich so viel Arbeit macht, der will das Resultat auch herzeigen. Unser Karli hat beim nächsten Heimspiel am Zaun des Fußballplatzes das Transparent aufgehängt und damit ein Werbeplakat verdeckt. Und er hat mit Gesängen auf seine missliche Situation hingewiesen. Fans im Inneren des Stadions haben daraufhin skandiert, dass das Verbot aufgehoben werden soll. Dadurch ermutigt, sind einige seiner Freunde auf den Zaun geklettert, na klar, wenn du schon dort bist, willst du auch was sehen.

Du kannst dir nicht vorstellen, was dann los war, Ramasuri Hilfsausdruck. Die Verantwortlichen des Vereins haben die Polizei alarmiert und verlangt, dass sie die Kletterer vom Zaun holen. Die Uniformierten sind in Gruppenstärke ausgerückt, also ein Kommandant und sechs weitere Polizisten. Das war schon ziemlich dings.

Was unser Karli genau gemacht hat, weiß ich nicht, aber einer der Polizisten hat ihm das Transparent wegnehmen wollen, was den Karli geärgert hat. Ich vermute, er hat gesagt: "He Oida, i woa ned am Zaun, gib ma des Zeug, des ghört mia!" Er ist dann zu dem Fanbeauftragten gelaufen, also zu einem "szenekundigen Polizisten". Aber der hat ihm auch nicht mehr helfen können.

Unser Karli, übrigens kein Einkommen, kein Vermögen, keine Sorgepflichten, wie das Gericht sagt, ist ein paar Wochen später zu einer Geldstrafe von hundert Euro verdonnert worden - weil er einen Beamten mehrmals mit "He Oida!" angeredet habe. Das sei "ein Verstoß gegen die allgemein anerkannten Grundsätze der guten Sitten", noch dazu in der Öffentlichkeit!

Aber der Karli hat nicht aufgegeben. Obwohl man bei ihm Kampfhandschuhe und einen Mundschutz gefunden hat, ist er in die Revision gegangen. Der Rechtsanwalt hat argumentiert, dass sich der Karli nicht in Du-Form, sondern in Sie-Form geäußert habe: "Lassen Sie das los, Oida!" Er habe diese Worte keineswegs in einem aggressiven Ton ausgesprochen, also ganz brav. Das Wort "Oida" sei "eine gängige Redewendung unter Jugendlichen". Na bitte, hat er nicht recht gehabt, der Herr Anwalt?

Die Richter haben hingegen gemeint, Oida bedeute dasselbe wie Hawara, und damit werde "die Amtshandlung der Polizisten in Frage gestellt". Ich hätte ihnen gesagt, dass "Oida" ein Diskussionsmarker ist. Damit kannst du auf dich aufmerksam machen. Eigentlich dasselbe wie "He!" oder "Hörst!". Außerdem kannst du das Wort auch als Ausruf verwenden: "Oida!" - wenn dich was nervt. Unmutsäußerung quasi.

Die Freundin von unserem Karli sagt "He Oida!" auch dann, wenn sie mit einem andern Mädl redet. Also auch von Mädl zu Mädl, du wirst es nicht glauben. Genauso funktioniert "Hey man!" bei den Amis. Die Richter haben das alles nicht geschnallt, ist aber wurscht. Sie haben die Geldstrafe in eine Ermahnung umgewandelt. So ist die Geschichte für
unseren Karli doch noch gut
ausgegangen.