Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

In solch wirren Zeiten, in denen zu leben wir das fragwürdige Glück haben, ist ein vernünftiger Vorschlag eine Seltenheit. Dabei ist es nicht so, dass nicht führende Hitzköpfe beziehungsweise hitzköpfige Führer täglich mit neuen Meldungen aufhorchen ließen. So können die Journalisten dieser Welt gerade frei wählen, ob sie sich lieber von Donald Trump, Beppe Grillo oder Recep Tayyip Erdogan als "Volksfeinde" titulieren lassen. Bei Erdogan kann man auch noch einen Sonderurlaub in einem türkischen Gefängnis buchen.

Andere zimmern sich ein neues Weltbild zurecht. HC Straches Freundin Marine Le Pen etwa hat bei einer Rede über ihre Außenpolitik (Motto: Für Frankreich wäre "kein Preis zu hoch, kein Kampf zu grausam"), Trumps Veränderungsbereitschaft und "Realismus" gelobt. Also, wem dessen Realismus gefällt, der mag auch die philosophischen Traktate von Obelix, die historischen Romane von DJ Bobo und hält wohl auch die "Harry Potter"-Streifen für Dokumentarfilme.

Wobei man sagen muss, dass die postkognitive Pippi-Langstrumpf-Philosophie ("Ich mach mir die Welt, wie-de-wie sie mir gefällt") auch vor Redaktionen nicht haltmacht. So berichtete ein hierzulande erscheinendes Altpapiercontainerfüllmaterial, dass "geimpfte Kinder zu masturbieren" beginnen würden. Was natürlich stimmt. Nicht geimpfte Kinder allerdings auch. Aber nur, wenn sie nicht vorher an Pocken, Tetanus oder Diphtherie draufgehen.

Angesichts dieser Ausgangslage ist der Vorschlag von Kulturminister Thomas Drozda, den Heldenplatz in "Platz der Demokratie" oder "Platz der Republik" umzubenennen, als Versuch zu begrüßen, die Realität positiv zu gestalten. Denn die Umbenennung von Straßen und Plätzen hat Tradition in dieser Stadt. So musste sich der Rathausplatz in den vergangenen hundert Jahren schon nach Dr. Karl Lueger, Engelbert Dollfuß und Adolf Hitler rufen lassen. Andererseits hatte der Platz der Menschenrechte (vor dem Museumsquartier gelegen, das früher einmal Messepalast hieß und davor Hofstallungen), bevor er so benamst wurde, gar keinen Namen. Das zeigt das ungehobene Potenzial, das noch in der Stadt schlummert. Warum nicht den Abschnitt des Donaukanals vor dem Flex "Scherbenküste" nennen? Oder "Ich weiß nicht mehr, was ich gestern getan hab"-Ufer? Im Stadtpark wartet vor dem Johann-Strauss-Denkmal eigentlich noch der "Platz der fragwürdigen Fotografie" auf seine Ausrufung, und die kreisrunde Wiese im Zentrum der Straßenbahnhaltestelle Schottentor (vulgo "Jonas-Reindl") wäre doch als "Garten des Wartens" auch treffend bezeichnet. Vielleicht findet auch Strache - sonst Umbenennungen eher abgeneigt - einen Ort, den man "Platz der Frauenhäuser" nennen könnte. Wo er denen doch so gerne Geld gibt. Aber manchmal hilft auch der schönste Name nicht, wenn man ein Problem mit der Realität hat. So hat die Website Vienna.at einen Artikel zum Thema "Wird der Heldenplatz umbenannt?" schön bebildert: mit einer Luftaufnahme vom Maria-Theresien-Platz. Aber vielleicht wird der ja auch bald umbenannt. In "Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf Platz". Das wäre zeitgemäß.