Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Eine Hofübergabe ist ja schwierig. Nicht umsonst ranken sich zahlreiche Stücke des Bauerntheaters um die Frage, wem der geizige, knorrige Altbauer Haus und Hof vermachen wird. Das ist in der Politik nicht anders. Nur im Gegensatz zum Spiel im Trachtenjanker auf Brettern kommt es im Spiel im Trachtenjanker auf der Bühne der Politik - zumindest in Niederösterreich - zu Überraschungen. Da kommt wider alle Traditionen die zwidere Ziehtochter Hanni zum Zug und der rüpelhafte Knecht Wolfgang wird auf die Walz nach Wien geschickt.

So einfach ist das natürlich nicht überall. Reinhold Mitterlehner weiß das. Michael Häupl auch. Und jetzt auch Eva Glawischnig. Plötzlich gibt es ein gewisses Ziehen und Zwicken im Parteiapparat. Als nächstes Alarmzeichen mehren sich die Stimmen, die behaupten, voll hinter einem zu stehen. Und spätestens dann hat man das ungute Gefühl im Gnack, dass hinter dem Rücken die Messer gewetzt werden. Aber wie jedes Genre hat auch dieses Phänomen des politischen Theaters einen Namen und der lautet: Nachfolgediskussion.

Erster Akt: die Negation. Alle versichern, dass es diese Diskussion nicht gibt. Wie man das macht, kann man im Stand-up-and-go-Standardwerk "Wie man die letzten 100 Tage als ÖVP-Chef (nicht) überlebt" nachlesen. Zweiter Akt: Einbruch der Realität. Endlich wird ein Zeitpunkt festgelegt, der alle Diskutanten zufriedenstellen soll, aber keinen zufriedenstellt. So ist jetzt schon klar, dass Häupls Nachfolger nach der nächsten Nationalratswahl kommen soll (wann immer die sein wird). Mitterlehners Nachfolger aber sicher vor der nächsten Nationalratswahl (wann immer die sein wird). Und Glawischnigs Nachfolge wird sicherlich vor oder nach irgendeiner Wahl (wann immer das sein soll) geregelt sein.

Nach einer kurzen Pause (der Theaterleiter will ja auch Getränke verkaufen) folgt der dritte Akt: Der Nachfolger taucht auf. Jetzt wollen wir natürlich nicht die Spannung zerstören und zu viel verraten. Doch bei der Bundes-ÖVP ist die Rolle seit Monaten fix vergeben. Die Wiener Genossen können sich nicht entscheiden. Und bei den Grünen sucht man nach dem Skript. Hier könnte die Pause länger werden.

Auch auf der internationalen Bühne wird das Stück gespielt, allerdings in einer Splatter-Horror-Variante per Livestream. Das liegt vor allem daran, dass beim Drehbuch zu "Was kommt nach Assad?" einfach zu viele Drehbuchautoren beteiligt sind. Das Ergebnis ist so katastrophal, dass sich die gesamte EU für aktives Wegschauen entschieden hat. Macht das Trauerspiel nicht besser.

Da freut man sich schon fast über das niederösterreichische Nachspiel auf dem Altenteil. Hier zeigt Altbauer Erwin, dass er mit der nun überbordenden Tagesfreizeit nicht umzugehen weiß. Und seine Beschwerde beim Bischof über den aufmüpfigen Pfarrer, der in seiner Predigt immer die prallgefüllte Schatulle des Altbauern erwähnt, wird wohl bald auf den Kindertheaterbühnen landen. Letztlich haben es nur Noah und der Fatalist leicht bei der Nachfolgefrage. Denn beiden ist klar: hinter mir die Sintflut. Nur hat Noah viel mehr Tiernahrung dabei. Man muss ja mal an später denken.