Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Beatles oder Rolling Stones? Coca Cola oder Pepsi? Rapid oder Austria? Das waren in meiner Jugend die Trennlinien zwischen Gut und Böse, zwischen Freund und Feind. Man musste sich deklarieren, es war undenkbar zu sagen: Sowohl die Beatles als auch die Rolling Stones haben gute Songs herausgebracht. Oder: Ich trinke Coca Cola genauso gern wie Pepsi. Der Jugendpsychologe würde sagen: Das war der Versuch, einer Gruppe anzugehören, sich von den anderen abzugrenzen - eine identitätsstiftende Sache also.

Die Entscheidung zwischen Gut und Böse war in meinem Fall zufallsbedingt, zumindest was die Popmusik anlangt. Ich verbrachte die Sommerferien im Gartenhaus meiner Eltern im Wienerwald, im Nachbarort lernte ich zwei Buben kennen, die bereits Beatles-Fans waren: Walter und Gerhard Markel. Man muss wissen, dass damals die Beatles im Radio noch nicht gespielt wurden - aber meine zwei Freunde hatten sich die LP "Beatles For Sale" aus England besorgt, gemeinsam hörten wir uns Lieder wie "No Reply", "I’m A Loser" und "Baby’s In Black" an - ich weiß nicht, wie oft. Dann packte uns der Ehrgeiz, die Titel nachzusingen - mit Klavier- und Gitarrenbegleitung. Ich war ein musikalischer Nachzügler, musste erst meine Eltern dazu bewegen, dass sie mir eine Gitarre finanzierten. Walter und Gerhard waren bereits geübte Musiker, später traten sie als "Springtime" beim Eurovision-Song-Contest an - da hatten wir uns allerdings schon aus den Augen verloren.

Auf all das bin ich deshalb gekommen, weil ich durch Zufall die Website "worldversus.com" des französischen Webdesigners Valentin Mendeze aufgerufen habe. Dort kann man abstimmen, ob man die Beatles oder die Rolling Stones lieber hat - die Liverpooler gewinnen bei der Umfrage mit 70 zu 30 Prozent. Android siegt mit 60 Prozent gegen Apple IOS, Facebook schlägt mit 62 Prozent Twitter. Außerdem werden auch Comic-Figuren, Schauspieler, Fernsehserien und Popstars gegeneinander ins Rennen geschickt - manchmal recht willkürlich, aber was soll’s . . .

Wir erfahren, wie viele Nutzer sich an den einzelnen Fragen beteiligt haben - meist ist es eine fünfstellige Zahl - aber nichts über deren Nationalität. Man kann davon ausgehen, dass die Website in Frankreich besonders populär ist und sich erst nach und nach im weltweiten Netz ausbreitet. Ein besonders großes Echo finden polarisierende Abfragen von Markennamen: Levis schlägt Diesel, Nike übertrumpft Adidas, Lipton besiegt Nestea.

Mir kommt vor, dass die Konsumwelt heute stärker segmentiert ist als früher. Auch Erwachsene spielen jetzt eifrig mit: Unter meinen Freunden und Bekannten gibt es ein paar Apple-Fans und viele Apple-Hasser, die Mehrheit nützt Facebook, einige posten auf Twitter. Es ist schick, seine Vorlieben zur Schau zu stellen: Mercedes oder BMW? Messi oder Ronaldo? Die Werbung und die Medien liefern passende Argumente für die persönliche Präferenz.

Nur in der Politik werden Polarisierungen nicht geschätzt. SPÖ und ÖVP müssten sich in wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Fragen klar positionieren - mit divergierenden Aussagen. Doch wenn sie es tun, heißt es im Boulevard: Die zwei streiten schon wieder!