Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Der Witz hat bereits einen Bart, ich erzähle ihn trotzdem. "Warum sind die österreichischen Schulkinder gescheiter als die deutschen?" - weil sie nicht zur Schule gehen, sondern in die Schule." Es handelt sich dabei um ein Beispiel für den divergierenden Gebrauch von Präpositionen in Österreich und in Deutschland. Wo die Deutschen "zur" sagen, verwenden wir "in die".

Unlängst sind mir noch weitere Unterschiede aufgefallen. Als auf den Mannschaftsbus des deutschen Fußballklubs Borussia Dortmund (BVB) ein Bombenanschlag verübt wurde, verbreiteten die deutschen Agenturen Meldungen mit folgendem Titel: "Explosionen am BVB-Mannschaftsbus". Wie wir inzwischen wissen, sind drei Bomben nicht auf dem Bus, sondern am Rand der Straße explodiert. Der mutmaßliche Täter wollte die Mannschaft samt Trainer in die Luft sprengen, um von den Kursverlusten der von ihm gekauften BVB-Aktien zu profitieren. Bei einem Gelingen des Anschlags wären die BVB-Aktien ins Bodenlose gefallen - der Attentäter, der auf sinkende Kurse setzte, hätte sich einen gigantischen Gewinn ergaunert.

Aber um diese Merkwürdigkeiten des Kapitalismus, die ein krankes Gehirn auf schlimme Gedanken brachte, soll es hier nicht gehen. Wir reden ja von den Präpositionen. Für mich war es erstaunlich, dass einige österreichische Internetmedien die deutschen Agenturberichte eins zu eins übernahmen. "Explosionen am BVB-Mannschaftsbus". Die österreichischen Journalisten hätten wissen können, dass "am" in Deutschland auch "an dem" bedeutet. Ins Österreichische übersetzt könnte es so formuliert werden: "Explosionen in unmittelbarer Nähe des BVB-Mannschaftsbusses". Aber wir brauchen uns nicht lange zu wundern, wie seltsam die Deutschen mit "am" umgehen. In Deutschland rauft man sich die Haare, wie wir Österreicher es mit dieser Präposition halten. Für uns ist "am" eine Verkürzung von "auf dem". Wir sagen also: "Das Buch liegt am Tisch." Ein Deutscher wies mich einmal so zurecht: "Wenn ein Buch ,am Tisch‘ liegt, dann müsste es an der Kante der Tischplatte liegen. Das funktioniert aus Gründen der Schwerkraft nicht. Ein Buch, das ,am Tisch‘ liegt, fällt zu Boden."

Zum Abschluss möchte ich noch ein weiteres Beispiel für die unterschiedliche Verwendung von Präpositionen bringen. Der Torhüter von Bayern München verletzte sich bei einem Spiel in Madrid. Als er mit dem Flieger nach München zurückkehrte, konnte er die Maschine nur mithilfe von Krücken verlassen. Die deutschen Zeitungen schrieben: "Manuel Neuer an Krücken zurückgekehrt." Auch das klingt in unseren Ohren ungewöhnlich. Wir würden sagen: "Manuel Neuer auf Krücken zurückgekehrt."

Da soll noch einmal jemand behaupten, das österreichische Deutsch wäre keine eigenständige Varietät der deutschen Sprache! Oft hört man das Argument: "Das Österreichische manifestiert sich ja nur in der Amtssprache und im Bereich der Speisen und der Lebensmittel."

Die unterschiedliche Verwendung der Präpositionen ist weniger spektakulär, aber nicht weniger signifikant. Wobei wir da und dort auch mit den Bayern sprachlich übereinstimmen: immer dann,
wenn die gemeinsame Mundart durchklingt.