Die Symptome sind eindeutig. Das, worunter ich seit zwei Wochen leide, ist ein Prätraumatisches Stresssyndrom. Kein Zweifel. Prätraumatisch? Sollte diese Belastungsstörung nicht eigentlich posttraumatisch sein? Ja. Normalerweise eh. Aber mir ist halt zum Glück noch nichts passiert. Und auf der Post schon gar nicht.

Am 27. Mai hat das plötzlich bei mir angefangen. Nämlich das mit dieser "vegetativen Übererregtheit". Klingt wie die typischen Beschwerden bei irgend so einer sexistischen Krankheit. Die also bloß Frauen kriegen. Mit der Menstruation hat mein Syndrom trotzdem nix zu tun. Eher mit den Nachrichten. Die führen bei mir anscheinend zu Schlafstörungen. (Okay, daran könnten auch die zwei Liter Cola schuld sein, die ich täglich in mich hineinschütte. Cola light, wohlgemerkt. Ich muss schließlich sparen. Wenigstens Kalorien.) Und schreckhaft bin ich. Drum gehören Luftballone endlich verboten. Die gefährden die öffentliche Sicherheit. (Sie platzen und lösen eine Massenpanik aus.) Dann diese grauslichen Erinnerungen an die Zukunft. An Dinge, die ich sowieso nicht erlebt habe. Noch nicht. Diese ständigen Flash-Forwards. Konzentrieren kann ich mich ebenfalls nur sehr schwer. Auf meinen Coupe Caramel zum Beispiel. Besonders wenn ich das Eis in einem Schanigarten auf der Mariahilfer Straße löffle. Seit die verkehrsberuhigt ist, sitzt man da ziemlich exponiert. Ein Terrorist kann mich fast ungehindert überfahren. Kein Verkehr staut sich ihm in den Weg. (He, eventuell schreckt ihn ja der obligate leere Streifenwagen in der Fußgängerzone ab, der die Bösen vertreiben soll wie die Vogelscheuche die Krähen. Und er dreht wieder um.) Gut, dafür kann direkt neben mir keine Autobombe mehr parken. Legal. Ohne gegen die Straßenverkehrsordnung zu verstoßen.

Was war überhaupt am 27. Mai los, dass ausgerechnet an dem Tag mein Syndrom ausgebrochen ist? Hat’s einen Anschlag gegeben? Nein, der Ramadan hat begonnen. Bis 24. Juni dürfen die Moslems nun von Sonnenauf- bis -untergang weder essen noch trinken. Und was hat das, bitte, mit mir zu tun? Na ja, der Islamische Staat hat seine im Ausland lebenden Staatsbürger (offenbar lauter Doppelstaatsbürger) angewiesen, mich während ebendieses Fastenmonats brutal niederzumetzeln. Er hat mich vielleicht nicht namentlich erwähnt, doch bei den "Kreuzrittern" war ich bestimmt mitgemeint. Obwohl ich vor Jahren aus der Kirche ausgetreten bin. Nicht einmal eine Kreuzfahrt hab ich je gemacht. Aber der IS bringt halt am liebsten Unschuldige um.

Der Ramadan verdirbt jetzt also sogar Atheisten den Appetit. Seit dieser Todesdrohung hab ich totale Hemmungen, mir was zum Futtern zu bestellen. Weil was, wenn ich einen hungrigen IS-Schläfer aufwecke? Oder mein Hotdog jemanden spontan radikalisiert? Am Würschtlstand dreh ich mich dauernd um. Nach dem Sittenwächter, der mir ein Messer in den Rücken rammen will. Nicht, dass außerhalb des Ramadan für die "Ungläubigen" Schonzeit herrschen würde. Zur Arterhaltung. Was durchaus vernünftig wäre. Denn wenn die aussterben, müssen sich die "Rechtgläubigen" notgedrungen gegenseitig abschlachten. Doch seit wann sind religiöse Fanatiker vernünftig?

Ach, worüber beklag ich mich? Besser ein Prätraumatisches Stresssyndrom als ein Posttraumatisches, oder?