Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Verfälschte oder frei erfundene Meldungen, die der Desinformation und der politischen Panikmache dienen, sind für Lehrer eine Herausforderung - wie ich letztens hier vermerkt habe. Das Bildungsministerium startet im kommenden Schuljahr ein Projekt, das Lehrer in die Lage versetzen soll, Schüler gegen Fake News zu immunisieren. Aber nicht nur für Jugendliche stellen Fake News ein Problem dar - auch für Erwachsene.

Im Christian Brandstätter Verlag ist eben ein Buch erschienen, das sich mit diesem Thema befasst. Es trägt den Titel: "Lügen im Netz. Wie Fake News, Populisten und unkontrollierte Technik uns manipulieren". Ingrid Brodnig beschreibt, wie die sozialen Medien zur Destabilisierung der Gesellschaft missbraucht werden können und wie in Deutschland, Frankreich und in den USA bereits versucht worden ist, mit diesen Mitteln das politische Klima zu beeinflussen.

Ingrid Brodnig, laut Verlagsprospekt "Österreichs digitale Botschafterin bei der EU", richtet in ihrem lesenswerten Buch eine Reihe von Vorschlägen an die Adresse der Politik. So wäre zu überlegen, ob soziale Medien wie Facebook und Twitter angehalten werden sollen, ihre

User vor Bots zu warnen - Bots

sind kleine Computerprogramme, die vorgeben, normale Nutzer zu sein, und Falschmeldungen zur Stimmungsmache massenhaft verbreiten.

Webbrowser wie Google könnten verpflichtet werden, ihren Algorithmus offenzulegen. Amerikanische Wissenschafter haben 500 Computer so programmiert, dass sie für Google aussahen wie weibliche beziehungsweise wie männliche User. Diese Nutzer waren in allen Faktoren gleich, bis auf das Geschlecht.
Aber ein Inserat für Berufscoaching von Spitzenverdienern bekamen
402 Männer und nur 60 Frauen - vielleicht auch deshalb, weil Männer das Inserat öfter angeklickt hatten als Frauen? Die inserierende Firma hat Google jedenfalls keine Anweisung gegeben, Männer zu bevorzugen.

Die Politiker in der EU und in den Mitgliedsstaaten könnten also einiges tun. Aber auch Internetnutzer haben keinen Grund, sich ohnmächtig zu fühlen. Wer in den sozialen Netzen mit einer Nachricht konfrontiert wird, die wie eine Fake News aussieht, sollte zunächst einen Faktencheck vornehmen. Stellt
sich in der Recherche heraus, dass die Fakten falsch sind, lohnt sich
ein Blick auf den Absender. In den USA gibt es bereits Online-Tools,
die mit den Daten eines Twitter-Profils gefüttert werden können. So erfährt man, wie wahrscheinlich es ist, dass hinter dem Account kein Mensch, sondern ein Bot steckt. Konten, die erst vor kurzem errichtet worden sind, gelten als verdächtig, auch Konten, von denen in kurzen Zeiträumen unzählige Postings versendet werden. Wer auf eine Fake News stößt, sollte sie im Netz mit Belegen widerlegen, sicher wird die Korrektur von anderen oft geteilt werden.

Ingrid Brodnig meint: "Die gefährlichste Desinformation, die derzeit kursiert, lautet: Dass wir Lügen und Irreführung hinnehmen müssen und man gegen das politische Spiel mit der Fehlinformation speziell im Netz nichts tun kann. Das Gegenteil ist richtig." Ich wünsche dem Buch, das sich spannend wie ein Krimi liest, eine große Verbreitung.