Es ist fünfundsiebzig Jahre her, dass der Schriftsteller Isaac Asimov jene Grundregeln des Umgangs von intelligenten Maschinen mit Menschen beschrieben hat, die als "Robotergesetze" ("Three Laws of Robotics") in die Geschichte eingegangen sind. Es sind einfache Regeln. Sie lauten - leicht verkürzt - wie folgt: 1. Ein Roboter darf kein menschliches Wesen verletzen oder zulassen, dass einem Schaden zugefügt wird. 2. Ein Roboter muss einem menschlichen Befehl folgen - es sei denn, ein solcher Befehl würde Punkt eins widersprechen. 3. Ein Roboter muss seine eigene Existenz schützen, solange dies nicht den Punkten eins oder zwei zuwiderläuft.

Dieses elementare Regelwerk wurde später erweitert, abgewandelt und nachgeschärft, teils auch komplett verworfen oder radikal neu konzipiert. Letztlich ist es dennoch erstaunlich, wie prophetisch präzise und weit voraus in der Science-Fiction-Literatur des vorigen Jahrhunderts gedacht wurde (apropos: Was sind die das Genre beherrschenden Themen der Gegenwart? Ernsthafte Nachfrage.) Denn längst ist der Roboter - einst vorzugsweise dem Schlag harmlos-
lustiger Blechtölpel zugeordnet, man denke an die "role models" C3-PO und R2-D2 aus "Star Wars" - zu einem Synonym für eine vage, aber immer stärker den Alltag durchdringende Bedrohung geworden.

"Heute schon einen Roboter gesehen?", frägt denn auch keck ein Plakat zu einer laufenden Ausstellung im Wiener Museum für angewandte Kunst (MAK) und weiteren Orten der Bundeshauptstadt, die im Rahmen der "Vienna Biennale 2017" bespielt werden. Der Titel ist Programm: "Roboter. Arbeit. Unsere Zukunft." Leider werden diese Schau zu wenige Leute sehen (oder, sagen wir so: zu wenige aus Bevölkerungsschichten, die am dringlichsten von der Thematik betroffen sein werden). Denn wir bewegen uns hier in einem sehr artifiziellen, annähernd philosophischen Umfeld - und viele der Installationen tragen eine kühle Bedeutungsschwere in sich, die kaum eine Verzahnung mit der zumeist banalen Lebensrealität der Besucher ermöglicht. Aber dann stehen sie staunend vor einem Roboter-Greifarm, der poetische Texte mit gestochen scharfer Handschrift auf Papier verewigt. Einem Exoskelett, das menschliche Gebrechlichkeit perspektivisch abfedert. Oder, berührender noch, einer unscheinbaren Tischlampe, die auf Zuruf reagiert und - so man sie anschreit - wie ein verschrecktes Haustier zu zittern beginnt.

Ich möchte Ihnen diese Ausstellung ans Herz legen: Sie irritiert, erregt, eröffnet eine ansatzweise Ahnung, wohin die Menschheit in symbiotischer (?) Entwicklung mit ihren technischen Schöpfungen steuert. Als Unterfutter für eine weiterführende Auseinandersetzung habe ich im Museumsshop noch ein Buch erstanden (John Jordan, "Roboter"), auf dessen ersten Seiten schon ein erstaunliches Faktum zur Sprache gebracht wird: Bis heute sind sich die Fachleute nicht einig, was ein Roboter eigentlich genau ist. Zählen selbstfahrende Autos dazu? (Jedenfalls würde man hier die Asimovschen Gesetze gern angewandt sehen). Sprechende Kaffeeautomaten? Künstliche Intelligenzen in abgeschlossenen Militärlabors? Ohne Zweifel: Reichlich Stoff für die nächste Generation an Science-Fiction-Autoren.