Und? Hat sich der Gurt im Flieger nach Madrid jetzt öffnen lassen oder nicht? Woher soll ich das wissen? Ich hab den letzten Freitag doch noch nicht erlebt. Für mich ist "vor einer Woche" erst morgen. Und ich kann nicht in die Zukunft sehen. (Diese Kolumne ist "aus technischen Gründen" vorproduziert worden.)

Eine Gurtpflicht während des gesamten Fluges ist ja im Grunde längst Usus. Angeblich wegen spontaner Turbulenzen. (Und wieso müssen die Stewardessen beim Servieren dann keinen Helm tragen?) Aber früher durften sich die potenziellen Terroristen (und jeder Flugpassagier ist seit 9/11 einer) immer kurz abschnallen, wenn sie ein dringendes Bedürfnis gehabt haben. Das Bedürfnis nach 72 Jungfrauen? Nein, ein anderes. (Warum hat die Bordtoilette eigentlich keinen Sicherheitsgurt?) Dass sie das ab sofort nimmer dürfen, wäre jedenfalls die logische Konsequenz aus den jüngsten Anschlägen in Europa. Da hat man die Gefährder vorher frei rumlaufen lassen. Ob die Fluggäste nun allerdings Sitzarrest kriegen (na ja, nicht in der Business Class, sonst nehmen die das nächste Mal ihren Privatjet), werde ich womöglich nie persönlich erfahren. Mit meiner Bombe lassen die mich vielleicht gar nicht ins Flugzeug rein. Das ist natürlich nicht wirklich eine, sie sieht einer echten aber täuschend ähnlich. Nämlich einem Samsung Galaxy Note 7. Meins ist zwar ein Note 4, doch Nummer steht ja keine drauf. Und heiß wird’s ebenfalls gern. Obwohl ich mir die Elektrogriller-App überhaupt nicht heruntergeladen habe. Mein Ohr riecht oft wie gebratener Speck. Als Reisebügeleisen ist das Handy freilich äußerst praktisch.

Die Grenzen zwischen Flugreise und Gefangenentransport waren ja bereits bisher fließend. Und wie lang wollen die von Amnesty International noch warten, bevor sie diese ständigen Verbrechen gegen die Menschlichkeit anprangern? (Keine eigenen Getränke, keine Nagelfeile, keine Stricknadeln . . .) Bis sich die Leute anmachen, weil sie die Gurte nicht einmal durchfeilen können? Andererseits: Im Auto darf man sich während der Fahrt doch auch nicht abschnallen. (Keine Stricknadeln sind erlaubt? Weil man mit so einer die Stewardess durch die Nase lobotomieren könnte?)

Ach, wir haben ohnedies bei einer Billigfluglinie gebucht. Da muss man für jeden Schluck Wasser zahlen. Sechs Euro. Okay, für ein Flascherl. Lieber verdurste ich. Würde ich mich aussackeln lassen wollen, dann hätte ich mich ja gleich für . . . "Du, Henriette? Wie heißt’n die Fluglinie, mit der wir ned fliegen?" - "Markenfluglinie." Dann hätte ich mich ja gleich für eine Markenfluglinie entschieden. Und wenn ich trotzdem lulu muss? Krieg ich wahrscheinlich einen Becher. Für sechs Euro. Eine Decke dazu? Für ein bissl Privatsphäre? Sechs Euro, bitte. Pro Stunde? Nein, danke. Seit dem Security-Check ist von mir eh nix mehr privat. Jeder kennt die Farbe meiner Socken. Aber heutzutage kann man ja jedes schlechte Service mit der Terrorbekämpfung begründen. Die Passagiere nehmen sowieso alles hin. Dabei will die Fluglinie in Wahrheit vermutlich nur die Bordtoilette einsparen.

Wenn mein Sitz morgen (und das ist auch schon wieder sieben Tage her) mit einer Plastikfolie überzogen ist wie die Matratzen im Altersheim, werde ich endlich Gewissheit haben. Fehlt die Inkontinenzfolie, dann . . . kostet das Abschnallen sechs Euro.