Für Motorsportfreunde ist es gewiss kein Freudenszenario: Der ORF überlegt, die Übertragung der Formel- 1-Rennen einzustellen. Allerdings nicht vor dem Jahr 2021 - so lange besitzt das öffentlich-rechtliche Leitmedium des Landes noch die TV-Rechte. Danach wird es haarig: Einerseits werden die Lizenzzahlungen für den Quotenbringer Formel 1 immer höher (und damit bei der klammen Kassenlage am Küniglberg tendenziell problematisch), andererseits setzt der Rechteinhaber Liberty Media zunehmend auf Pay-TV. Profitgier, Baby! Und freilich muss die Kaufsumme zurückverdient werden. Die neue Führungsriege, die erst vor wenigen Monaten das Milliardengeschäft vom ewigen Impresario Bernie Ecclestone übernommen hat, steht jedenfalls unter Zugzwang. "Schnell wurde den neuen Besitzern klar", analysierte "Der Spiegel" die Lage, "wie rückwärtsgewandt und unmodern die Formel 1 zuletzt gewesen ist."

Diesen Satz sollten sich die ORF-Strategen mit Leuchtstift markieren. Mein Vorschlag lautet: Gar nicht erst zuwarten und rumtaktieren, sondern aus der Not eine Tugend machen. Und aus der Krise ein Argument. Ich meine damit nicht die Reichweiten- und Finanzkrise des ORF, sondern die Sinnkrise der Formel 1. Tut mir leid, meine Herren (denn Damen sind hier nur ganz, ganz wenige an Bord): Die ehemalige "Königsklasse des Motorsports" wurde vom Zeitgeist ausgebremst. Und von innovativeren Formaten überholt. Nur hat sie es noch nicht gemerkt.

Dass sich dieses Wochenende in Spielberg abertausende Fans beim "Grand Prix von Österreich" tummeln werden, ist übrigens kein Widerspruch. Denn längst ist der Formel-1-Rennzirkus zu einem familientauglichen Multichannel-Spektakel mutiert - Veranstalter Red Bull karrt auch Pop-Größen wie Passenger, die Erste Allgemeine Verunsicherung oder Seiler und Speer an, lässt Flugzeuge und Hubschrauber aufsteigen und "Formula Una"-Hostessen in bunten Dirndln antanzen. Der Geruch nach Gummi und Benzin überlagert die Atmosphärik aber ungebrochen. Bei aller in der DNS von Silberrücken festgeschriebenen nostalgischen Loyalität: "Projekt Spielfeld"-Visionär Dietrich Mateschitz täte gut daran, perspektivisch über Alternativen zur Formel 1 nachzudenken.

Und, ja, es gibt sie. Freilich noch im Entwicklungsstadium. Ich hatte etwa dieser Tage das Vergnügen, von Jaguar zu einem Formel-E-Grand-Prix eingeladen zu sein. Mitten in einer Großstadt: am ehemaligen Flughafen Tempelhof in Berlin. Hier und anderswo wird mit erstaunlichem Aufwand versucht, den gerade stattfindenden Schwenk auf Elektromobilität auch in einer Rennserie abzubilden. Letztlich treiben Wettbewerbe wie diese vice versa wieder ungebremst Forschung und Entwicklung (Stichworte: Batteriekapazität, Rekuperation, Ladedauer) an. Und wenn Sie mich nach meinem höchstpersönlichen Eindruck fragen: Bis auf das insektengleich hochfrequente Surren und Bohren der Elektromotore unterscheidet sich ein Formel-E-Rennen nicht wesentlich von einem der Formel 1. Auch nicht in puncto Spannung oder Medieninszenierung. Man setze also Hamilton, Vettel, Massa & Co. einfach in Geschosse mit fortschrittlicher Technik - und ab geht die Post.