"Das letzte Auto, das gebaut wird, wird ein Sportwagen sein." Das ist, wenn man’s recht bedenkt, eine ziemlich widerspenstige Prophetie - sie stammt von Ferdinand Porsche. Freilich sieht es ganz danach aus, als könnte der legendäre Ahnvater der deutschen Automobilindustrie recht behalten. Denn während sich Manager, Medienbeobachter und Motoristen mit den Niederungen des Diesel-Skandals herumschlagen (nun ist auch Daimler-Benz ins Visier der Behörden gelangt) und "Der Spiegel" jahrzehntelange kartellartige Absprachen der größten Konkurrenten vermutet, wird gleichzeitig frischfröhlich an PS-starken Boliden herumgeschraubt, als wäre nichts gewesen.

Egal, ob es sich um einen Porsche 911 GT2 RS oder einen Mercedes AMG X1, einen Ferrari 812 Superfast oder Lamborghini Veneo, die Wiedergeburt des Renault Alpine oder gar das "Hypercar"-Projekt namens Aston Martin Valkyre handelt - der Schwanengesang des Benzinmotors klingt höchsttourig nach Rennstrecke. Zugleich verkündet Volkswagen-Chef Matthias Müller in weit leiseren, beinahe beiläufig klingenden, aber strategisch wohlgesetzten Worten das Ende des Diesel-Dogmas. Man sei mit der Politik im Gespräch, lässt er wissen, und es sei "bei angemessenen Vorlaufzeiten vorstellbar, dass es einen verbindlichen Termin für den Ausstieg aus dem Diesel-Antrieb geben könne, sollte die Branche im Gegenzug Unterstützung bei der Elektromobilität bekommen." Punkt. Kürzer und prägnanter lautet Müllers neues Glaubensbekenntnis so: "Jeder weiß, dass die Zukunft elektrisch fährt." Ein Satz, der umgehend den österreichischen Grünen-Politiker Christoph Chorherr jubeln ließ: "Das ist mehr als ein ,Ups‘. Das ist ein technologisches Erdbeben."

Aber fährt die Zukunft wirklich elektrisch? Hat man die Öko-Bilanz von E-Autos wirklich ohne rosarote Brille betrachtet? Und würden die Grünen - als exemplarische politische Kraft, die energisch auf Umweltschutz und neue Mobilitätsrezepte pocht - nicht eher auf öffentliche Verkehrsmittel setzen denn auf noch so innovative Individual-Vehikel (abseits des Fahrrads)? Anders gefragt: Fände man einen Elektro-Bugatti irgendwie sympathischer, sinnvoller, ökologisch leistbarer als das gasolingetriebene Monster der Vorgängergeneration? Ich meine: kaum. Aber mit dem Alltag abertausender pragmatischer Auto-Nutzer haben derartige Überlegung sowieso wenig gemein. Selbst als gelegentlicher Testfahrzeug-Nutzer kommt man sich schon ein wenig abartig vor, wenn man einen Fiat 124 Spider lenkt - das ist nun mal kein Autobus oder Krankentransporter, sondern ein Spaßmobil par excellence (und ein leistbares noch dazu).

Apropos Autotests: Ich bin gerade mit einem Ford Kuga 2,0 TDCi unterwegs. Das ist, so viel lässt sich rasch feststellen, für viele Gegenden Österreichs ein probates, ja nachgerade vernünftiges Fahrzeug. Ein SUV mit 150 PS, Allradantrieb und Dieselmotor. Brandneu. Effizient. Und in sich wunderbar stimmig. Und doch - dem kontraproduktiven Zickzackkurs der deutschen Branchen-Platzhirsche und der Politik geschuldet - ein Modell, das Autoverkäufer absehbar mit unangenehmen Fragen, schiefen Blicken und unangemessenen Rabatt-Forderungen konfrontieren wird. Sagen wir mal so: Das letzte Auto, das gebaut wird, wird unvernünftiger sein als dieses.