Neulich stand ich in einem dieser schicken Designer-Einrichtungsläden der Wiener Innenstadt herum und musterte das Angebot. Die Aircondition war einer der Gründe, das Geschäft zu betreten - draußen brütete die Hitze, drinnen war es angenehm kühl. Es bietet aber auch immer wieder einen gewissen Lustfaktor, den einen oder anderen avantgardistisch gestylten Sessel zu betrachten, sich darauf zu setzen und letztlich zu beschließen, dass es der billige Ikea-Stuhl genauso tut. Wohl noch jahrelang. Dennoch ertappe ich mich bei solchen Gelegenheiten dabei, Spontankäufe zu machen. Und das eine oder andere Teil in die Shopping-Bag zu packen, dessen Fragwürdigkeit mir erst daheim bewusst wird. Davon leben wohl so ziemlich alle Schnackes-Mitnahme-Stores rund um den Globus.

Diesmal fiel mein Auge auf eine seltsam geformte Leuchte, die auffällig am Tresen des Einrichtungsladens befestigt war. Sie klebte da förmlich, einem magnetischen Fuß geschuldet. Die Leuchte - es handelte sich um das Modell "Roxxane Fly" des deutschen Herstellers Nimbus, wie man mich rasch aufklärte - hatte kein Kabel. Berührte man ihre Oberfläche, gab sie augenblicklich ein kräftiges, warmes Licht ab. Weitere Berührungen - Streicheleinheiten gleich - ließen sie schwächer werden oder, nach Bedarf, auch wieder leuchtkräftiger. Klappte man den oberen Teil der quadratisch geformten Fläche nach unten, war die Lampe ausgeschaltet. Das erschien mir verblüffend in seiner simplen, durchdachten Funktionalität, ja Eleganz. Ich bestellte augenblicklich ein Exemplar der "Roxxane Fly".

Was ich erst später nachlas: Diese Leuchte ist nur ein Mitglied in einer größeren Familie, die der Stuttgarter Designer Dietrich F. Brennenstuhl geschaffen hat. Die "Roxxane"-Serie umfasst auch Leseleuchten mit Ständer, Pendel- und Wandleuchten. Allen gemeinsam ist die Kabellosigkeit - Steckdosen sind nur zum sporadischen Aufladen da, die Leuchtmittel werden per integriertem Akku mit Strom versorgt. "The new era of light" verkündet denn auch etwas großspurig der Nimbus-Katalog - die Zukunft sei flexibel, weil eben nicht mehr vom "Diktat des Kabels" abhängig.

Betrachtet man die Sache etwas grundsätzlicher, merkt man: Das ist nur ein Aspekt der Zukunft, die längst Gegenwart ist. Die hocheffiziente LED-Technologie hat - und wir haben das Gegreine der Glühfäden-Nostalgiker noch in den Ohren - sich rasant durchgesetzt, anfängliche Kinderkrankheiten (etwa die ungewohnte Farbtemperatur der Leuchtdioden) sind längst einer durchgehenden, freudigen Nutzung gewichen. Die Lampen- und Leuchten-Designer hat die energiesparende, kaum nutzlose Wärme erzeugende Technik geradezu entfesselt. Gesellt sich jetzt auch noch fortschrittliche Lithium-Ionen-Akkutechnologie dazu - die "Generation Roxxane" benötigt lediglich zwei- bis dreimal monatlich frische Energie und besitzt formvollendete USB-Anschlüsse und bequeme Dockingstationen -, dann kann man tatsächlich von einem "Quantensprung" sprechen, wie Meister Brennenstuhl das ungeniert tut. Sein Resumé: "Ab sofort folgt das Licht dem Nutzer - und nicht umgekehrt!". Jede Wette: Da geht auch noch anderen Herstellern ein LED-Lämpchen auf.