Hans-Paul Nosko, geboren 1957, lebt als Journalist und Glossist in Wien.
Hans-Paul Nosko, geboren 1957, lebt als Journalist und Glossist in Wien.

Wenn ich am Wochenende Tageszeitungen durchblättere, gibt es eine Seite, auf die ich jedes Mal gespannt bin: Die mit dem Inserat einer exquisiten Partnervermittlungsagentur. Nicht, dass ich auf der Suche wäre - und selbst wenn, würde dieses Institut für mich nicht in Frage kommen, ist es doch auf Vorstände, Manager, Privatiers, also Menschen, die finanziell ganz weit oben rangieren, spezialisiert.

Auf der Annonce sieht man jeweils die überkreuzten Beine einer Frau und eines Mannes - der Rest der beiden ist in einem Schalensessel verborgen -, einander gegenüber sitzend. Sie in recht lasziver Pose, er in betont korrekter Haltung. Die Dame entpuppt sich in der Folge als faszinierende Top-Managerin, verführerische Französin oder bildhübsche Unternehmerin, jedenfalls finanziell bestens ausgestattet - nur leider ist ihr größter Wunsch noch nicht in Erfüllung gegangen: Der erfolgreiche, aber auch sensible und humorvolle Mann, an dessen Schulter sie sich lehnen - und mit dem sie in vollen Zügen das Leben genießen kann. Doch da ist er auch schon, sitzt ihr vielleicht sogar im selben Inserat gegenüber: Ein Konzernchef oder Politiker, hervorragend situiert, auf dem internationalen Parkett zu Hause und darauf wartend, dass eine ebenso gesellschaftlich versierte wie attraktive Frau sein einsames Herz erobert.

Wie ein Leitmotiv durchziehen diese Begriffe die Anzeigen: gebildet, charmant, attraktiv, finanziell unabhängig und vor allem erfolgreich. Von eigenen Kindern hingegen, die der eine oder die andere bereits aufgezogen hätte, habe ich noch nie gelesen. Dabei haben etliche der Suchenden die Vierzig bereits hinter sich. Vielleicht ist der Nachwuchs ja schon aus dem Haus oder steht noch auf der Wunschliste - zunächst aber fehlt eben der passende Partner. Klar, sonst hätte man sich ja nicht an die Agentur gewandt.

Möglicherweise liegt es daran, dass diese Damen und Herren beruflich ganz oben angelangt sind, und auf dem Gipfel ist es bekanntlich einsam. Zu wenig Zeit, sich um den zwischenmenschlichen Erfolg zu kümmern, und der ist, wie wir wissen, noch wesentlich schwieriger sicherzustellen als der berufliche. Trotzdem ist die Sache verwunderlich: Vertreter dieser Kreise müssten einander doch immer wieder beim Networking eines Seminars für Top-Manager oder im Zuge eines Golfturniers über den Weg laufen. Oder auf der Vernissage einer angesagten Londoner Galerie.

Was, bitte schön, klappt da nicht? An mangelndem Gesprächsstoff kann es kaum liegen. Sie erzählt vom Haus an der Côte d’Azur, er bringt dezent seine Yacht ins Spiel. Beide schwärmen vom besten Italiener in München und beklagen, dass der Job ihnen so wenig Zeit für die schönen Dinge des Lebens lässt. Da müsste sich doch etwas ergeben. Vielleicht sogar mehr als beim Monaco Franze, der uns seinerzeit verriet: "Ein Bissel was geht immer." Und wenn nicht, dann eben über die Agentur.