Sieht man sich die Möglichkeiten an, seinem Erstaunen oder seiner Besorgnis Ausdruck zu verleihen, schien diesen Sommer vor allem eine Formulierung zu passen: Immerhin ließ ein gewisser Skandal geneigte Konsumenten spätestens vor dem leeren Regal links neben der Butter einen alten Austropopklassiker von Boris Bukowski umdichten. Wobei auf ein kurz angestimmtes "Du bist wie . . . Fipronil" rasch ein ernüchtertes "Ei, ei!" folgen musste.

Sprachlich betrachtet interessant, ist diese Formulierung in Oberösterreich, das auch kartografisch betrachtet eher kein Eiland ist, aus guten Gründen nicht möglich. Sie würde dort als "Oa Oa" daherkommen und "Ein Ei" bezeichnen, das man gerade im Supermarktregal eben nicht vorgefunden hat. Ebenso wenig wie seinen sprachlich sowieso nicht vorhandenen Plural, also "Zwoa Oa", der realiter ob des Kartoninhalts zu Sätzen wie "Bringst ma biddsche no sechsi vo de Bio-Oa mid" führen würde - sofern die Supermärkte noch Nachschub haben oder man im gelobten H-oa-matland direkt zur Quelle fährt, zum Bauern und seinen Hennen, weil "mia gwis übahaupts koa Füpronü in de Oa ned drinhom".

Weil aktuell aber ohnehin wieder massig Eier zum Verkauf bereitstehen, wurden vom Kunden, wenn er nicht hinsichtlich etwaiger Preisveränderungen im Centbereich auch noch in Zukunft herumeiern wird, etwaige zu diskutierende Grundprobleme der Causa bereits wieder verdrängt. Etwa der massenhafte Zukauf von Billigei in flüssiger Form oder als Pulver, foliiert oder gefroren, weil sich die Großindustrie nicht einschränken kann wie der Hobbykoch, der zu Hause, auf gut Oberösterreichisch gesagt, selbstverständlich "oaschboad".

Dabei hätte die temporäre Sensibilisierung für ein Thema, die so ein Skandal mit sich bringt, gerade in diesem Fall auch seine guten Seiten gehabt. Linguisten etwa konnten sich an tollen Wörtern erfreuen. So aber fällt die zur Verarbeitung benötigte "Ei-Aufschlaganlage", die nichts mit babylonisch sprachverwirrtem "Eye-", also Augenaufschlag zu tun hat, bestimmt aber Effizienz und Schnelligkeit im Sinne des Wimpernschlags einer Libelle verspricht, langsam wieder dem Vergessen anh-ei-m.

Was es mit der Redewendung, "Eier zu haben", also mutig zu sein, auf sich hat, wurde wiederum erst letzte Woche auf YouTube offenkundig. Dort sah man eine Australierin, die beim Schwimmen auf einen im Becken gestrandeten Hai traf - und diesen händisch zurück ins Meer transferierte. Ihr Name, der jetzt eine seltsame Eselsbrücke legt, nämlich zum Film "Als die Frauen noch Schwänze hatten": Melissa Hatheier.