Sie bieten bis zu 100 Prozent Schutz (wohlgemerkt: "bis zu", das kann also alles ab null Prozent sein), und dank dieser praktischen Erfindung, die helfen soll, ein Blutbad zu verhindern, muss man sich bei seinen Outdoor-Aktivitäten (Einkaufen, auf dem Handy herumwischen, Joggen . . .) überhaupt nicht einschränken. Kann alles machen, wie man’s gewohnt ist.

Klingt wie eine Tamponwerbung. Es geht aber trotzdem um . . . Poller. Und die wird die Stadt Wien jetzt gleich in der Großpackung kaufen. Denn an diesen Rammschutzpfählen führt seit diesen ganzen Anschlägen in Europa und dem einen da in Manhattan wohl kein Weg mehr vorbei. Na ja, ist das nicht der Sinn der Sache? Dass man daran nicht vorbeikommt? Zumindest nicht mit dem Laster. Mit dem Messer und dem Sprengstoffgürtel schafft man’s natürlich schon noch. (Hallo? "Bis zu" 100 Prozent Schutz.) Wie die Schwammerln werden die Dinger nun überall aus dem Boden schießen. Weil sich die Terroristen eben nicht an die Verkehrsregeln halten wollen. Und wenn wir einfach nur noch Autos in die Stadt reinlassen, die mit einem City-Safety-System ausgestattet sind? Sobald das einen Fußgänger auf der Fahrbahn erkennt, bringt der Notbremsassistent das Fahrzeug automatisch zum Stehen. Ach so: "Fahrbahn." Auf einem Gehsteig oder in einer Fußgängerzone funktioniert diese Technologie wahrscheinlich gar nicht. (Und könnte man bitte ein paar Radwege wieder zu Parkplätzen rückbauen? Hinter einer robusten Barrikade aus buntem Blech hab ich mich irgendwie sicherer gefühlt.)

Und was machen wir mit den Begegnungszonen? Vorsorglich alle Autos raushauen? Dort gibt’s nicht einmal eine Gehsteigkante, he. Da kann der IS barrierefrei wüten. Aha, man denkt offenbar über schikanöse, nein: schikanenartige Polleraufstellungen nach. Zwecks ultimativer Verkehrsberuhigung. Äh, die Mariahilfer Straße wird ein Slalom-Parcours? Wär’s nicht gescheiter, die Poller sauber aufzureihen? Rechts und links der Fahrbahn? Besonders, wenn die MA 28 stattdessen Radbügel montieren würde. Mehr Fahrradständer brauchen wir eh. Wegen dieser Invasion der gelben Leihräder aus China. Außerdem sind Poller irgendwie unanständig. Die haben was von einem Lingamkult.

Okay, der Rammel-, Tschuldigung: Rammschutz soll "nach Möglichkeit nicht auffallen". Wünscht sich die Vassilakou. Na und? Nach Möglichkeit. Dann war’s halt nicht möglich. Ja gut, wir könnten die Poller tarnen. Als Aschenbecher, Mistkübel, Riesenschaumrollen, Hydranten, Blumentöpfe . . . Blumentöpfe? Würde das Grünzeug nicht sämtliche Dealer der Umgebung anziehen? Weil nutzen die nicht Pflanzen sehr gern als Drogenversteck? (Ja, die Hanfpflanze zum Beispiel. Und sie vergraben ihre Marihuana-Baggys oft im Gebüsch.)

Weshalb sollen wir sie denn unsichtbar machen? Zeigen wir sie doch lieber stolz her, unsere Freiheitspfosten. Die verteidigen immerhin unsere Lebensart. Bemalen wir sie in den Regenbogenfarben! Oh, der "Polli" wird noch zur Touristenattraktion. Dafür wird die Pollerbeauftragte schon sorgen. Wer? Ja, warum haben wir eigentlich noch keine? Sind nicht die Bundesgrünen grad auf Jobsuche? Und falls Mandatare Berufsschutz genießen, sind die für die nächsten fünf Jahre sowieso unvermittelbar. Mindestens. (Die Grünen in Wien schaffen wenigstens wirklich Arbeitsplätze. Die reden nicht bloß drüber.)