"Dass man auf Passfotos nicht lachen darf, beschreibt den Zustand der Gesellschaft relativ gut."

Dieser Satz, neulich irgendwo auf Twitter gefallen, kam mir in den Sinn, als ich vergangene Woche auf dem John F. Kennedy-Flughafen in New York stand, auf halbem Weg zwischen dem gerade verlassenen Flieger und der Grenzkontrolle.

Man hatte uns noch im Flugzeug gewarnt: In diesem Bereich sei es strikt verboten, zu telefonieren, zu fotografieren oder den Koffer zu öffnen. Auch schief zu lächeln oder gar laut aufzulachen? Die Beamten in der großen Halle sahen jedenfalls eher ernst drein. Ein gewisser Kontrast zu den plakativ affichierten "Herzlich willkommen"-Botschaften - so richtig warmherzig erschien mir der Empfang nicht. Eher kühl, abweisend, dystopisch.

Was sicher auch mit dem High-Tech-Automaten zu tun hat, zu dem man Besucher dirigiert: Pass-Scan, Porträtfoto (unklar, ob mit Iris-Scan oder doch ohne), komplette Fingerabdrücke per Selbstbedienung. Bitte. Danke. Das händisch ausgefüllte Formular für die Grenzbehörde wanderte als Relikt der Vergangenheit umgehend in den Papierkorb. Unverdächtigkeit hin oder her: Ich bin nun auf immer und ewig in den Datenabgründen der US-Bürokratie gespeichert - und das nicht zuletzt durch die vorauseilende Prozedur des "Electronic System for Travel Authorization", kurz: Esta.

Im Gegensatz zu anderen liegen mir Irritationen, die über atmosphärische Unterkühltheit hinausgehen, aber fern: Weder wurde mein Laptop oder Handy durchforstet, noch wurde ich einer sogenannten "Secondary Inspection" unterzogen. Die detaillierte Zufallsüberprüfung meines Gepäcks sowie meiner Kleidung noch in Wien hatte ich schon weitgehend vergessen - es ist ja durchaus einzusehen, dass Sicherheit vor persönlicher Bequemlichkeit geht. Dennoch bleibt ein wenig Replikanten-Feeling wie in "Blade Runner": Sind Sie sicher, ein argloser Mensch zu sein? Definitiv? Ganz, ganz sicher?

Man rauscht, hat man einmal die Grenzkontrolle passiert, mit einer gewissen Erleichterung Richtung Manhattan. In einem verbeulten gelben Taxi mit Kunstlederbezug und verdreckter Fahrer-Plexiglasabtrennung, vorbei an einer gesprayten Botschaft: "Know Tomorrow. Stop Death Machines." Irgendwie unheimlich.

Oder sind damit diese altertümlichen Benzindroschken gemeint, die so ganz und gar nicht den klischeehaften Tesla-Uber-Zukunftsverheißungen entsprechen?

Okay, das Silicon Valley liegt weiter westlich. Hier riecht es noch deutlich nach alter Welt. New York selbst - gewiss nach wie vor anders als der Rest der Vereinigten Staaten - erweist sich dann als Hort spätkapitalistischer Pragmatik, die getriebener Gelassenheit gleichkommt.

Letztlich ist man froh, wieder in Wien zu landen. Mit all seiner non-technoiden Unfreundlichkeit, etwas gemilderten Paranoia und schlampigen Gemütlichkeit.

Das - eventuell visionäre - "New Yorker"-Titelblatt, wo ein Mensch vorbeieilende Roboter um Almosen anbettelt, habe ich als Mitbringsel im Gepäck.