Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber meinerseits kann ich ein gewisses Gefühl der Saturiertheit, der Sättigung, des Überdrusses nicht leugnen. Gerade haben wir den Black Friday hinter uns gebracht, einen Feiertag des digitalen Konsumterrors, der in den USA erfunden wurde und - ähnlich Halloween oder Santa Claus - mittlerweile zur vorweihnachtlichen Folklore auch in hiesigen Gefilden gerechnet werden darf. In den sozialen Medien entgeht man dieser noch jungen Mutter aller Rabattschlachten nur, wenn man sich zum Autisten erklärt. Und quasi jeglichen Kontakt zur Außenwelt kappt. Am besten öffnet man die Luken seiner elektronischen Einsiedlerklause erst wieder anno 2018 - denn der schwarze Freitag endet ja gefühlt erst Wochen nach seiner Ausrufung. Zumindest geht er ansatzlos in den Cyber Monday über, den Start des Jahresschlussverkaufs der Online-Stores, der mit seiner Fülle an Ramsch und dem zwingend folgenden Umtauschrausch sicher auch nicht zu Silvester ein Ende kennt. Ich muss demnächst einmal googlen, ob man online nicht auch im Hochsommer einen Schokoladen-Nikolaus bestellen kann, wenn einem nach Schokoladen-Nikolaus ist. Im Spätkapitalismus sollte derlei doch zu den fundamentalen Menschenrechten zählen. Aber, Zynismus off!, geht es der Wirtschaft gut, geht es den Menschen zumindest nicht schlechter als beim Ausfüllen von AMS-Formularen. Und der Handel kann nicht klagen: Seine Interessensvertretungen erwarten für 2017 allein im stationären Bereich einen Umsatz von rund 70 Milliarden Euro brutto. Heißt: 2,6 Prozent Wachstum im Vergleich zum Vorjahr. Online wird etwa ein Zehntel davon umgeschlagen, davon fließt allerdings mindestens die Hälfte ins Ausland ab. Allein der Black Friday und der Cyber Monday schlagen

mit Mehreinnahmen von bis zu

230 Millionen Euro zu Buche.

Also: Es brummt. Und ich muss zugeben, dass ich den Angeboten von Amazon & Co. auch nicht immer widerstehe. Oft fragt man sich ja, ob diversen Schnäppchen überhaupt noch kaufmännischer Grundverstand oder nur mehr purer Konkurrenz-Vernichtungswille zugrunde liegt. Die für Hersteller und Händler essenzielle Marge scheint jedenfalls gegen null zu tendieren, der eine oder andere zahlt eventuell noch drauf, um zumindest Umsatz zu generieren. Gegenrezepte? Direktvertrieb. Sie bekommen die Ware nur mehr beim Erzeuger selbst. Ich behaupte jetzt einmal tolldreist: Es ist das Vertriebsmodell der Zukunft.

Ich habe dieser Tage online Lautsprecher bestellt. Voluminöse, wertige, erstaunlich tiefpreisige Boxen der schwedischen Firma XTZ. Das Modell 99.36 MK III gilt als Geheimtipp unter Kennern, ich wollte sie schlichtweg ausprobieren. Normalerweise wandere ich da zu einem der rührigen Hifi-Händler in Wien, der solch ein Paar in seinem Sortiment hat - allein, das tut keiner. Es gibt die Marke XTZ nur im Direktvertrieb. Was soll ich sagen: Man muss sich (und zwar ziemlich) mit dem Paketversender DHL herumärgern, aber letztlich klappt alles halbwegs bequem. Und freilich gibt es ein großzügiges Retourenrecht. Die stylishen Lautsprecher kann ich jedenfalls empfehlen - ob man aber auf den Kaffee und die Weihnachtskekse, die unmittelbaren Vergleichsmöglichkeiten vor Ort und das kundige Gespräch beim Fachhändler verzichten will, muss jeder für sich entscheiden.