Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Die neue Regierung steht vor der Tür. Und ich bin jetzt schon Fan. So wird jede Österreicherin und jeder Österreicher dank der neuen Regierung doppelt so alt werden wie vorher. "Wie das?", wird sich jetzt die mathematisch begabte Leserschaft fragen. Ganz einfach: Durch die Einführung des 12-Stunden-Tages gehen in 24 Stunden jetzt zwei Tage hinein. Das heißt, das ganze Jahr ist in einem halben Jahr vorbei. Also werden wir alle doppelt so alt wie vorher. Und dadurch wird auch endlich im Nachhinein klar, was der scheinbar sinnfreie Wahlkampfslogan "Es ist Zeit" bedeuten hätte sollen.

Natürlich kann man nicht alles neu machen. So muss sich auch die neue Regierung nach der von den Landeshauptleuten gestrickten Decke strecken. Aus der Zusammenlegung der Gebietskrankenkasse wird etwa nichts werden. Zum Ausgleich dafür erklärt die Regierung die gesamte Republik zum einheitlichen Krankengebiet - und kassiert.

Also kassiert die Pläne der vorigen Regierung. Logisch. Das waren auch totale Loser. Wie hieß die eine Partei, die da schon seit Jahrzehnten durchgängig an der Macht war? Da kann man jetzt froh sein, dass die... Moment. Egal, jetzt soll auf jeden Fall die "Aktion 20.000" für Langzeitarbeitslose abgeschafft und durch die "Aktion die oberen 10.000" für Langzeitvermögende ersetzt werden. Genaueres weiß man aber noch nicht.

Klar ist dafür, dass das Rauchverbot kippen wird (und mit "Kippen" sind jetzt nicht die piefkinesischen Tschick gemeint). Dem Protest dagegen wollen die zukünftig Regierenden aber mit einer neu geschaffenen Säuferregelung den blauen Dunst aus den Segeln nehmen. Dieses Trinkgebot soll den Staatsbürger verpflichten, 24 Stunden vor jedem Urnengang sich die Regierungspolitik schönzusaufen. Und wenn alle immer total blau in die Wahlkabine torkeln, wird diese Regierung noch Jahrzehnte im Amt bleiben. Schließlich lässt die CSU in Bayern auch immer während des Oktoberfests wählen.

Auch das Personal auf der Regierungsbank ist ein Fall für die Ewigkeit. Gernot Blümel, der Joseph Gordon-Levitt der Volkspartei, wird wahrscheinlich Kanzleramtsminister und unter anderem zuständig für Medien. Das ist eine Idealbesetzung, da er selbst ein Medium ist. Ohne Worte weiß er, was sein Herr und Kanzler will. Angeblich kann er sogar mit den verstorbenen Parteiobmännern Mock, Raab, Figl, Schuschnigg und Metternich in Kontakt treten.

Allerdings wird die ehemalige Chefin der Casinos-Austria leider nicht Finanzministerin. Was schade ist, da sie die wichtigsten Regeln des internationalen Finanzkapitalismus bereits beherrscht hätte: Die Bank gewinnt immer. Dafür erfährt die Öffentlichkeit nun endlich, warum der Parteichef der Freiheitlichen das Schießen in den 80er Jahren so intensiv geübt hat. Denn alles, was Waffen tragen darf, wird jetzt von der FPÖ regiert. Das ist sehr schön und sehr richtig und sehr, sehr beruhigend.

Und sollte sich dennoch völlig unabsichtlicherweise ein Schuss lösen, wird der zukünftige Innenminister Kickl allen Hinterbliebenen ins Stammbuch reimen: "Mit den Protesten ist jetzt Schluss/Das ist gelebter Heimatschuss." In diesem Sinne: Es wird scho glei dumper, es wird scho glei Nocht...