Realität und Satire sind nicht mehr zweifelsfrei unterscheidbar. Das ist einer der leicht zynischen Standardsätze, die ich mit mir herumtrage - und, ja, es kommt vor, dass ich davon Gebrauch mache. Denn: Realität und Satire sind tatsächlich kaum mehr voneinander zu unterscheiden. Immer öfter, immer beiläufiger, immer frappierender. Bisweilen bis an die Grenze zu persönlicher Verstörung. Das Stakkato an absurden Neuigkeiten, das auf uns eintrommelt, hat an Vehemenz gewonnen - und die tägliche Mülltrennung (hie Fakten, da Fake News) fällt selbst Professionisten schwer. Kein Wunder: Hierzulande beordert sogar der Innenminister höchstpersönlich Desinformations-Agenten in sein Presseteam. Aber es soll hier kein trübes politisches Süppchen gekocht werden - die geistige Verfasstheit der Spitzen dieses Landes spiegelt den Ahnungshorizont ihrer Wähler wider. Wirft man den Blick in Hoffnungsregionen dieses Planeten, etwa das grün-rot regierte, notorisch "fortschrittliche" Schweden, steigen einem erst recht die Grausbirnen hoch. Denn aus dem Norden Europas erreichte uns die Meldung, dass die Regierung die Gesetze für Sexualstraftaten radikal verschärfen will. Was durchaus verständlich ist: Im Zug der #metoo-Kampagne offenbarte sich ein Abgrund an Verschweigen, Verharmlosung und Verdrängung des Themas sexuelle Gewalt gegen Frauen. Und eine gesellschaftliche Nachfrage notwendig macht - die Situation ist hierzulande wohl keine andere. Was aber ist den schwedischen Politikern und Politikerinnen dazu eingefallen? Ein Gesetz. Ein "Einverständnis-Gesetz". Künftig gilt, so denn im Fall des Falles unter zwei Personen nur eine Sex wünscht, kein Nein mehr. Oder ein sonstiges Signal klarer Ablehnung. Es tritt eine Art Beweislastumkehr ein. Es obliegt beiden Partnern, dem Geschlechtsakt a priori eine Zustimmung zu erteilen. Am besten schriftlich. Oder elektronisch. Eventuell gar per Notariatsakt (sic!). Sonst droht in Hinkunft im Extremfall eine Verurteilung wegen "unachtsamer Vergewaltigung".

Nun ist der Mensch ohne Zweifel ein Ferkel. Und des Menschen Wolf. Sprich: Es lassen sich, sieht man genau hin, selbst im edelsten Vertreter der humanoiden Spezies dunkle Seiten entdecken. Und allerlei Schlummerndes, das im Idealfall durch Verstand, Erziehung, Herzensbildung, religiöse Gebote und/oder gesellschaftliche Regeln hintangehalten wird. Also: auch durch Gesetze. Aber noch keinem Gesetzgeber, keinem Priester und vor allem keinem Politiker ist es gelungen, die Menschheit generell zum Besseren zu erziehen. Eher im Gegenteil, wenn sie mich fragen. Die Vorstellung, dass durch bürokratische Spielregeln und noch so animierend designte, gut gemeinte E-Formulare - hurtig gibt es Apps wie "Good2Go" - der intimste Akt zwischen zwei Menschen reguliert und kontrolliert werden kann, ist absurd. Im schlimmsten Fall führt er direkt in Teufels Küche. Die schwedischen Gesetzesschmiede, deren Kritiker praxiserfahrene Juristen sind, scheinen zu ahnen, dass ihr Regulativ den Justizapparat (über)strapazieren wird. "Gegner werden behaupten, dass man jetzt eine Unterschrift von seiner Geliebten braucht, bevor man das Licht ausknipst", so eine Sprecherin. Das ist übrigens klar sexistisch. Realität und Satire sind nicht mehr zweifelsfrei unterscheidbar.