Andreas Rauschal, 1984 in Vöcklabruck geboren, schreibt und lebt in Wien.
Andreas Rauschal, 1984 in Vöcklabruck geboren, schreibt und lebt in Wien.

Lebendgeschenke zu Weihnachten gelten Vielen auch heute noch als reizvolle Option. Konfrontiert mit Kater Felix, dem neuen vierbeinigen Hausfreund, oder Hansi, dem heiteren Hasen, wähnt man leuchtende Kinderaugen quasi als vorprogrammiert und ewige Dankbarkeit - bis hin zur Alterspflege, dereinst, in Jahrzehnten - als so gut wie gesichert. In zehn Jahren nicht zu massiv in die Pubertät reingrätschen, dann sollte es klappen!

Auch Motive für ein etwaiges Fotobuch oder die Festplatte der Erinnerung könnten gefunden sein: Die Katze im ersten Nahkampf mit Lametta. Entzückend! Wolke, der Pudelwelpe, als Weihnachtshund mit Weihnachtshaube. Herzallerliebst! Ja wisst ihr es noch, wie Bello ( eingeschläfert am 25. 12.) damals am Heiligen Abend auf die Tafel gesprungen ist, das Familienporzellan zertrümmert und den Weihnachtsbraten gefressen hat?

Die lebendigsten Erinnerungen gehen oft mit Lebendgeschenken einher. Denkt man etwa an Schildkröten, werden die Beschenkten mitunter gar von ihrem Präsent überlebt. Turtle Tarzan lacht sich ins Fäustchen - 75 Jahre nur Salat, das ist doch kein Leben, ihr Verbrecher! Verlässlichkeit für viele Jahre, wie sie heute keine Waschmaschine mehr bietet, verspricht so ein Tier, wenn alles gutgeht. Stichwort geplante Obsoleszenz bei Elektrogeräten, gepaart mit skandalösen Zuständen im Verbraucherschutz. Wo ist eigentlich Peter Resetarits, wenn man ihn einmal braucht? Nur beim Verpacken von Felix & Co bitte um Vorsicht. Es ist das schönste Geschenkpapier schließlich umsonst, wenn man die Luftlöcher vergisst und dann erst recht die Bescherung hat.

Weihnachten in Oberösterreich, ca. 1988. In der Familie wird ein Wellensittich verschenkt. Dieser trifft am Heiligen Nachmittag bei uns ein. Ich nenne ihn Fipsi. Wie, das soll ein Singvogel sein?! Fipsi ist merkwürdig schweigsam. Die Zeit bis zum Abend besser doch mit den Matchboxautos verbringen und "Brummbrumm" machen gehen. 16 Uhr: Nachschauen bei Fipsi. Mutter, Vater, ist es normal, dass ein Wellensittich im Käfig am Boden sitzt, um Luft schnappt und röchelt? Große Augen bei den Erziehungsberechtigten. Husch, husch, ins Zimmer! Fipsi wird mit Kamillentee erstversorgt. 17 Uhr: Trauerstimmung statt Bescherung. Entsetzen bei den Erwachsenen. Kindertränen unter dem Weihnachtsbaum. Fipsi, ein Fall für den Kompost! "Stille Nacht", niemals stiller als heute. Sperrt die Tierkörperverwertung am 25. wieder auf? Lagern wir Fipsi in der Zeit dazwischen auf Eis?

Es war ein Weihnachten zum Vergessen. Seither sind in unserer Familie übrigens Gutscheine sehr beliebt.