Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Jetzt ist es wieder mal Zeit. Rückblicke, so weit der Hinterkopf reicht. Wer ist aufgestiegen? Wer ist abgestiegen? Wer hat es geschafft? Was ist passiert? Wer hat wem wie viel Geld wo sicher nicht zugesteckt? Oder doch? Oder wer wäre dazu gar nicht fähig gewesen, weil er dafür viel zu gut, zu schön und zu gut erzogen ist? Und wer würde sich obendrein gar nicht mit so viel Geld auskennen, weshalb er ja auch Finanzminister gewesen wäre?

Und dann gibt es noch die Nachrufe. Kaum haben die Leute einen Holzpyjama an, waren sie auf einen Schlag die größten Staatsmänner, die feinsten Philantropen und die sensibelsten Künstler, die je einem Bilderbuch für Erwachsene entstiegen sind. So verschwinden dann die schwarzen Kassen der CDU unter Helmut Kohls mächtigem Leichnam. Und auch die schicken Bermudashorts während eines Jordanienbesuchs lösen sich in Alois Mocks langem, würdevollen Schatten in nichts auf. Und sogar ein Krachmandlrocker wie Malcom Young wird angesichts des Besuchs von Freund Hain zu einem feingliedrigen Virtuosen am sechssaitigen Instrument.

Und das ist ungerecht. Denn es bleibt dabei vieles unbedacht. Wer erinnert sich etwa noch an Karl Grunzbichler (Name von der Redaktion geändert), der jeden Tag den Obdachlosen vor seiner Trafik gratis einen Kaffee und ein Packerl Tschick serviert hat, bis er im Juni unverschuldet Opfer eines betrunkenen Autofahrers wurde? Auch bleibt angesichts der Erfolge und Misserfolge "unserer" Skistars und Fußballnationalmannschaft der grandiose Sieg des Damen-Handball-Teams aus Horn (Ortsbezeichnung von der Redaktion geändert) über ihre Konkurrentinnen aus dem Montafon in der dritten österreichischen Regionalliga (Sportverband von der Redaktion geändert) völlig unbemerkt.

Und weil dauernd über die Terroranschläge in aller Welt berichtet wird, ist 2017 auch niemandem aufgefallen, dass in einer Gemeinde am Schneeberg (Berg von der Redaktion geändert) im vergangenen Jahr eigentlich überhaupt nichts passiert ist. So wie auch schon 2016 und 2015. Und auch wenn unsere sehr geschätzten Regierungsparteien in fast jedem Moslem einen verrückt gewordenen Fanatiker vermuten, ist Herr Mohammed A. (Buchstabe von der Redaktion geändert) 2017 freundlich zu seiner Kundschaft am Gemüsestand gewesen, hat sich liebevoll um seine kranke Frau gekümmert und hat daneben sich weiter nach Kräften bemüht, seine Kinder zu respekt- und verantwortungsvollen Menschen zu erziehen. Das hat keiner mitgekriegt. Aber das war auch 2017.

Ein bisschen langweilig, ein wenig durchschnittlich und ein Haucherl - um genau zu sein - irgendwie. Wie das Leben halt so ist. In diesem Sinne: Wünscht Ihnen Ihr Glossenhauer ein durchschnittliches, mediokres, bissi fades, da und dort fröhliches, in Maßen anstrengendes, ausgeschlafenes, etwas zu spät gekommenes, selten unfreundliches, gerne zuvorkommendes und ab und zu völlig faules 2018 (Jahr von der Redaktion beibehalten). Und einen guten Rutsch dahin.