"Hey, Siri." "Okay, Google." "Alexa, wie wird das Wetter?" Wir sind dabei, uns an Sprachassistenten zu gewöhnen. Einige haben zu Weihnachten - sofern nicht ausverkauft - Lautsprecher besorgt, die, digitalen Papageien gleich, auf Zuruf eine Konversation beginnen. Andere sprechen seit geraumer Zeit schon - Apples "Siri" gibt es seit 2011 - mit ihrem Smartphone. Und auf der weltgrößten Technikmesse CES in Las Vegas, die dieser Tage stattfindet, kann man Amazons dienstbaren Geist Alexa in Brillen, Uhren, Kopfhörern, Fitnessarmbändern, Mikrowellenherden und Backöfen entdecken. Noch sind es Prototypen. Aber die Gewissheit steigt: Bald beginnt alles zu plaudern.

Nun mag das verstörend wirken auf schweigsame Gemüter. Und jene, die sich unter "Künstlicher Intelligenz" eventuell einen Großrechner vorstellen, der von Männern in weißen Mänteln mit Lochkarten gefüttert wird. Sorry, wenn ich jetzt Science-Fiction-Fans ihre Retro-Remineszenzen abräume: Die putzigen Lautsprecher sind letztlich nichts anderes als banale Schnittstellen zum Internet. Eine weitere Evolutionsstufe der Interaktion mit Computern (zutreffender: mit dem Netz aller weltweit verbundenen Rechner). Was einst mit kryptischen Code-Zeilen und monochromen Terminals begann, endet nach grafischen Benutzeroberflächen (zum Beispiel "Windows") und Touchscreens bei der vielleicht intuitivsten Form, mit Maschinen zu kommunizieren: dem gesprochenen Wort. Tastatur, Maus, Touchpad werden nicht über Nacht überflüssig werden - zumal die Dialoge noch jenen mit Kleinkindern ähneln. Aber wir ahnen, wohin die Reise geht. Freilich lassen sich nicht nur Glücksgefühle antizipieren, sondern auch eine Kakophonie biblischen Ausmaßes. Wer eine Vorahnung davon haben will, google die heitere Story "Alexa dreht Musik auf - Besitzer muss zahlen" in der "Welt" vom 6. November. Oder suche auf YouTube die NDR-Satire "Leben mit Sprachassistenten". Heißa! Wie so oft in der modernen Welt hat man das Gefühl, dass aus forsch fortschrittsverbrämter Geschäftstüchtigkeit Antworten auf Fragen gegeben werden, die nie gestellt wurden. Das "Internet of Things" könnte sich diesbezüglich noch als meterdicker Fragenkatalog erweisen. Exempel gefällig? Meine Kaffeemaschine lässt sich per App fernbedienen, ich nutze das nur nie. Und sie quer durchs Büro anzuschreien, "Mokka! Sofort!", käme mir eher nicht in den Sinn. Dass sie eigenständig Milch nachbestellt oder hinter meinem Rücken mit dem Kühlschrank schnattert, schon gar nicht. Und, ehrlich gesagt, will ich mit ihr auch nicht darüber diskutieren.

Die doofe Devotheit der Roboter ließ "Die Zeit" schon rätseln, ob nicht ein neues Zeitalter tradierter Bequemlichkeit (warum haben Siri & Co. durchgängig Frauenstimmen?) und grober Imperative, verbunden mit regressiver Kindlichkeit auf uns warte. Freilich gibt es sinnvolle sprachliche Interaktion. Wenn man keine Hand frei hat etwa. Im Auto, wo einen die tausend Knöpfe, Menüs und Untermenüs am Armaturenbrett strikt zum potenziellen Unfallopfer machen. Ein Hit wäre hier ein Sprachassistent mit Tourette-Syndrom: "Schleich’ di von da Foahrbaun, Oida!" Alexa, was meinst Du: Soll ich die Idee schützen lassen?