Ich weiß schon: Da verdrehen jetzt einige die Augen. Aber: Ich liebe Ikea. Das schwedische Möbelhaus, als Gemischtwarenladen noch zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs gegründet von Ingvar Kamprad, hat die letzten Jahrzehnte Einrichtungskultur wesentlich mitgeprägt. Und zwar weniger seiner Selbst-Zusammenbau-Masche wegen (die dem Unternehmen gehörige Lagerkosten erspart), sondern weil dessen gemeinhin sachliches, unprätentiöses skandinavisches Design barock-bürgerlichen Wohnzimmer-Monstern den Garaus gemacht hat. Fast zumindest. Die Jüngeren und im Herzen Junggebliebenen mochten in Österreich ab 1977 von einem Elch mit vertraulichem "Du" angesprochen werden, sie wollten einen eigenen, leistbaren Einrichtungsstil finden und sie hatten wenig dagegen, einen Katalog als Anleitung und buntes Kompendium des Zeitgeists im Briefkasten vorzufinden.

Das "soziale Design" von Ikea revolutionierte unsere Wohnlandschaften. Und noch heute gilt es als schick, ausgewählt teure Möbelklassiker mit Billy-Regalen oder Lack-Tischchen zum Diskontpreis zu kombinieren.

Dass der legendäre Bastel-Onkel und Do-it-yourself-Milliardär Kamprad dieser Tage im hohen Alter von 91 Jahren an seine letzte Adresse übersiedelt ist, wird für seine Söhne, Enkel und Bewunderer weltweit nicht ganz überraschend gekommen sein. Wie geht es aber nun weiter mit dem nicht-börsenotierten Familienbetrieb? Die Antwort fand ich in der Post. Schon vor Weihnachten war mir von Ikea unaufgefordert ein kleines Paket zugestellt worden, ich hatte es nicht ausgepackt. Nun erinnerte ich mich an das Präsent. Und öffnete es. Sein Inhalt: zwei LED-Lampen, eine Fernbedienung und ein Gateway, ein kreisrundes Steuerelement. Alles anno 2018 im Katalog oder nächstgelegenen Möbelhaus vorzufinden unter dem - wie immer bei Ikea nordisch-kryptisch-lustigen - Namen "Tradfri" (bitte verzeihen Sie, dass ich das schreibtechnisch korrekte kreisrunde Kringel nicht auf dem schwedischen "a" plaziere, ich suche seit Minuten auf der Tastatur danach und gebe jetzt auf).

Was will es uns sagen, dass Ikea nun offenkundig auch in den Trend des digitalen "Smart Home" einsteigt? Und das mit vollem Karacho? Eigentlich Banales: Man will sich der Zukunft nicht verschließen. Demonstrativ. Insofern ist Kompatibilität mit Amazons Sprachassistent Alexa und auch dem Pendant von Appples Homekit Pflicht. Es ist nur ein Anfang - das zappelige Ändern von Lichtfarben und Ein- und Ausschalten von Lichtpaneelen wie von Geisterhand erschöpft sich rasch. Wesentlich ist die Festlegung auf ein System: Einmal Ikea ist immer Ikea. Und freilich sind das Internet und smarte Technologien nicht die traditionelle Domäne des Konzerns.

Das rasches Umlernen Pflicht ist, beweist das Schicksal des (ehemals) heimischen Konkurrenten KiKa/Leiner. Im Moment sucht man an jedem der 50 Standorte intensiv nach Einsparungspotenzial.
"Online-Händler klauen Umsatz", klagt der Konzernchef. Sollten die altehrwürdigen Häuser nicht rasch solide Brückenköpfe im Netz-Business bauen, sind sie zum Untergang verdammt. Das mag für Leiner - ob der aktuellen Turbulenzen - gut vorstellbar sein. Aber, bei Kamprad!, es gilt auch für Ikea.