Große Hoffnungen haben sie in ihn gesetzt. Und dann enttäuscht er sie so, der Basti. Dabei haben sie seine neue Volkspartei vielleicht sogar bloß deshalb gewählt, damit sie endlich jemand befreit. Von diesem blöden Fetzen. Das ist nämlich nicht einfach nur ein Stückl Stoff. Es ist ein Symbol des politischen Patriarchats, der Geschlechterapartheid.

Sie haben diese Bevormundung halt satt. Endgültig. Dass ihnen irgendwelche verklemmten Sittenwächter mit einem konservativen Kleidergeschmack vorschreiben wollen, was sie anziehen sollen. Dass sie also komplett zugeknöpft herumlaufen müssen, egal wie heiß es ist, weil sie sonst den Anstand verletzen würden. Schluss! Aus! Und da der Sebastian Kurz ihnen offenbar nicht helfen will, werden sie es nun wohl oder übel so machen müssen wie diese mutigen Frauen im Iran. Sie werden auf einen Verteilerkasten kraxeln, sich das verhasste Textil runterreißen, es an einen Stecken binden . . . hm. Und an welchen? Ein USB-Stick ist sicher zu kurz. Und wenn sie von daheim einen Besen mitnehmen? Ach, ein Kochlöffel tät reichen. Oder ein Staubwedel. Mit dem könnten sie auch gleich die Luft abstauben, ein bissl Feinstaub wegwedeln. (Wie praktisch.) Andererseits könnten die Zuschauer sie leicht missverstehen. Denken, das wäre eine Unterstützungserklärung fürs Frauenvolksbegehren. (Bogner-Strauß bewahre!) Oh, wie wär’s mit einem Selfie-Stick? Können sie ihre Selbstbefreiung gleich selber mitfilmen. YouTube und so. (Ist eh jedem klar, dass es hier um die Krawatte geht?)

Okay, sie riskieren nicht, verhaftet und für Jahre weggesperrt zu werden (wegen Anstiftung zu Unmoral und Prostitution). Wie diese aufmüpfigen Iranerinnen, die ihren Hidschab als Fahne benutzt haben, und jetzt haben sehr bärtige Männer einen Pik auf sie. (Als Nächstes fordern diese von Alice Schwarzer gesteuerten Exhibitionistinnen noch das Recht auf kurze Ärmel im Sommer.) Gut, die Krawatte ist nicht zu 100 Prozent das männliche Kopftuch. Nicht von allen Männern (außer bei formellen Anlässen) wird ja erwartet, dass sie sich eine umhängen. Von Politikern halt, von Managern, Nachrichtensprechern, Anwälten . . . - und auch die brauchen das nur in der Arbeit zu tun. Und sie werden in der Regel besser bezahlt als jemand in einer Nichtschlipsbranche. (Als eine Friseurin, eine Billakassierin . . .) Aber das, was sie mehr kriegen, ist eben eine Aufwandsentschädigung. Weil, he, wie viel Zeit und Nerven das immer kostet, bis der depperte Knoten perfekt sitzt. Mit einer Schlinge um den Hals herumrennen zu müssen, ist jedenfalls eine Zumutung. Besonders bei 30 Grad. Noch dazu hat eine Krawatte lange Ärmel. Quasi. Und noch längere Beine. Denn schließlich muss man dazu einen Anzug tragen. Zuerst lässt man sie schwitzen, die Schlipsträger, und nachher wirft man ihnen vor, sie wären schuld an der Erderwärmung. Obwohl sie die Klimaanlage ja eh auf maximale Kühlung eingestellt haben.

Ein Krawattenverbot (schon allein wegen der Erstickungsgefahr) ist der neuen Regierung freilich anscheinend kein Anliegen (der Wählerwille). Vor der Wahl hat der Obertürkise in jeder Fernsehdiskussion treuherzig aus einem offenen Hemdkragen herausgelächelt, und jetzt, wo er Bundeskanzler ist, erwischt man ihn dauernd in flagranti mit einer Krawatte. In den Nachrichten. Das ist doch eindeutig Wählertäuschung.