Robert Mitchum als Marine Offizier Victor Henry - in welcher Rolle er Anfang der Achtzigerjahre das Wiener Arsenal - und dessen damaliges Branntweiner-Stüberl - aufsuchte...
Robert Mitchum als Marine Offizier Victor Henry - in welcher Rolle er Anfang der Achtzigerjahre das Wiener Arsenal - und dessen damaliges Branntweiner-Stüberl - aufsuchte...

Als ich kürzlich durchs Wiener Arsenal spazierte, wo ich einstmals wohnte, wurden Erinnerungen an die kurioseste Begegnung wach, die ich dort jemals hatte. Ich war Robert Mitchum begegnet, und zwar im "Arsenalstüberl", einer damals, in den Achtzigerjahren, kleinen, wenig feinen Trinkerstube. (An ihrer Stelle gibt es heute ein größeres und renommierteres Restaurant.)

Und das kam so: Auf dem Platz zwischen dem sogenannten Objekt 1, einem der roten Backsteinbauten der einst militärischen, heute zivilen Wohnbauanlage, und dem Heeresgeschichtlichen Museum war für die - im Zweiten Weltkrieg spielende - US-Fernsehserie "Winds Of War" der Rote Platz in Moskau buchstäblich nachgestellt worden. Über diesen, angereichert mit viel Kunstschnee, ging der amerikanische Marine-Offizier Victor Henry, genannt Pug, dargestellt von Robert Mitchum. Mehr als diese eine Szene, nämlich das Überschreiten des Platzes, wurde an Ort und Stelle nicht gedreht. So ging Mitchum einige Male auf und ab.

Danach musste er sich stärken. Und so ging er, noch in schmucker Uniform, auf direktem und kurzem Wege vom fiktiven Roten Platz ins höchst reale "Arsenalstüberl", wo einige der üblichen Zecher die hereingewehte Gestalt vermutlich für ein Trugbild ihrer Trinkergehirne hielten. Ich, nur auf ein Himbeerkracherl eingekehrt, war nüchtern genug, um die Realpräsenz der Schauspielerlegende an diesem doch eher bescheidenen Orte voll mitzubekommen. Mitchum passte sich den üblichen Gepflogenheiten übrigens rasch und sichtlich gerne an, indem er einige kleine Gläser mit durchsichtiger Flüssigkeit - auf ex - zu sich nahm.

An mehr kann ich mich nicht mehr erinnern (und mehr war wahrscheinlich auch nicht), aber auch das reicht im Ranking meiner unvermittelten Begegnungen mit internationalen Prominenten in Wiener Gaststätten für den unangefochtenen ersten Platz.

Es folgen: Johnny Depp im "Panigl" (und zwar dem Lokal im achten Bezirk, nicht jenem im ersten); auch das ist schon eine Zeitlang her - es war wohl in den Neunzigern (jedenfalls noch in der Prä-Caribbean-Pirates-Phase), als der Mime im hinteren Teil des Lokals - unter dem damals noch dort platzierten Nitsch-Gemälde - saß, was mir vermutlich gar nicht aufgefallen wäre, hätte mich nicht einer der Wirte dezent auf den Promigast hingewiesen.

Weiters: Bryan Ferry im Gasthaus "Artner" (im vierten Bezirk), Udo Jürgens im "Engländer", und Donna Leon im "Ubl" (wobei bis heute nicht geklärt ist, ob es sich dabei nicht um ein Double der Autorin gehandelt haben könnte).

Unvergleichlich zu all dem ist freilich ein Erlebnis, das nicht ich selbst hatte, sondern eine Bekannte meiner Glossenkollegin Stefanie Holzer, von der ich diese Geschichte auch erfuhr. Besagte Frau hatte sich in Venedig auf eine Bank gesetzt, als sich ein eleganter älterer Herr neben sie platzierte. Sie kamen ins Gespräch, währenddessen ihr dämmerte, dass er ihr irgendwie bekannt vorkam. Sie fragte ihn. Daraufhin stand er auf, verneigte sich und sagte: "Gestatten, Omar Sharif."