Wenn uns Science-Fiction-Filme etwas über unsere Zukunft erzählen, sehe ich schwarz. Denn es sind in der Mehrzahl öde Space Operas mit klischeehaftem Wir-gegen-die-bösen-Aliens-Action-Plot, die in den Kinos laufen und mit der üblichen Verzögerung im Fernsehen. Oder aber Fantasy-Spektakel, die sich eher als Märchenersatz eignen denn als ernsthafte Denkvorlage.
(Dass in Buchhandlungen immer häufiger Fantasy neben SF-Klassikern platziert wird, sagt übrigens auch etwas über fehlendes Basiswissen und intellektuelles Gespür aus.) Freilich gibt es TV-Serien wie "Black Mirror", die am Puls der Zeit sind, und Filme wie "Annihilation" oder "Ready Player One", die einiges versprechen. Und sogar Terry Gilliam ("Brazil") meldet sich zurück: in "The Man Who Killed Don Quixote" - der Film läuft im September an - versetzt er einen Werbeagenturheini des 21. Jahrhunderts in das mittelalterliche La Mancha. Wird absehbar großartig.

Der beste Science-Fiction-Film aller Zeiten aber - ohne Zweifel Stanley Kubricks "2001: Odyssee im Weltraum" - feiert dieser Tage ein denkwürdiges Jubiläum: den runden Fünfziger. Ja, es ist tatsächlich ein halbes Jahrhundert her, dass dieser Streifen in die Kinos kam! Der Blick in die Vergangenheit der Zukunft hat durch den zwangsläufigen Alterungsprozess des Objekts der Anschauung keine Trübung erfahren, im Gegenteil. Regelmäßig tauchen auf den Kommunikationsplattformen der Gegenwart staunende Anmerkungen auf: Ah, waren das nicht Tablet Computer, die Kubrick visionär den Schauspielern in die Hände gelegt hat? Wie wäre es, wenn HAL - der durchgeknallte Bordcomputer - mit der Stimme und dem Verstand von Amazons Alexa ausgestattet worden wäre? Und so weiter und so fort. Über "2001" sind dicke Bücher geschrieben worden, der Film ist optisch wie inhaltlich ein Meilenstein geblieben. Wird Zeit, ihn wieder einmal zu sehen.

Man ist geneigt, dies auch dem Personal der aktuellen österreichischen Bundesregierung ans Herz zu legen. Einerseits, um sich in 143-minütiger Kontemplation die eigene absolute Unbedeutung im kosmischen Maßstab zu vergegenwärtigen. Andererseits, um den Damen und Herren vielleicht - zumindest ahnungsweise - doch auch andere Perspektiven zu eröffnen als die Aussichten auf Tempo 140 auf der Autobahn zwischen Linz und Salzburg. Oder ein "Sicherheitspaket", das eine psychologische Mogelpackung sondergleichen ist, andererseits aber leider übelmeinenden Zeitgenossen Möglichkeiten eröffnet, wie sie in "Black Mirror" & Co. anschaulich skizziert werden.

Aber es ist ja ein Stehsatz, dass die Politik und, damit eng verbunden, die Legislative und Exekutive den technologischen Möglichkeiten und Realitäten immer stärker hinterherhinkt. Freilich beunruhigt mich die Tatsache, dass staunende Staatsorgane zwar im Internet Tesla-Lenker im Autopilot-Modus auf der Wiener Höhenstraße verfolgen können (Legal? Illegal? Scheißegal!), aber nicht in der Realität, weit weniger als die Visionen, denen sich durchgeknallte Politiker mit Allmachtsfantasien hinter gut gepolsterten Bürotüren hingeben. Ich hoffe, Sie vermögen zumindest Fantasy von Science Fiction zu unterscheiden.