Eigentlich wollte ich einmal mehr ein paar Zeilen zum Thema Europäische Datenschutzgrundverordnung schreiben (ja, das ist dieses ominöse Gesetz mit dem sexy Kürzel DSGVO). Die Zeit drängt, im Mai schon wird das Konstrukt schlagend. Und manche - vor allem solche, die generell der Fraktion der überpeniblen Pflichterfüller zuzurechnen sind oder via Beratungsleistungen davon profitieren wollen - heben bereits mahnend den Zeigefinger und weisen auf potenzielle Millionenstrafen hin.

Aber. Ich muss gestehen: Je mehr ich mich mit den gesetzlichen Vorgaben der DSGVO und ihren oft skurrilen oder gar widersprüchlichen Interpretationen beschäftige, desto undurchsichtiger wird die Sache. Sie gleicht einem digitalen Labyrinth. Sind IP-Adressen persönliche Daten? Kann man für die Dokumentation des Firmen-Status-Quo all den heftig beworbenen vorausgefüllten Formularen und "Schritt-für-Schritt-Generatoren für Anwender ohne Rechtskenntnisse" trauen? Soll man einen Aktenvernichter anschaffen? Und so weiter und so fort. Fragen, die gerade Tausende quälen. Sorry: Bevor ich da irgendeinen Blödsinn in die Tasten klopfe, konsultiere ich lieber nochmals meinen Steuerberater, meinen EDV-Konsulenten und meinen Anwalt. Dass die in diesem Fragendickicht auch etwas verloren (oder zumindest leicht unsicher) wirken, sei einmal schwarz auf weiß festgehalten.

Ich habe nun in einem manischen Anfall meine oberg’scheiten und, ja, bisweilen ins Zynische lappenden glossarischen Anmerkungen zur DSGVO verworfen. Und die Delete-Taste gedrückt. Es wird mir wohl nichts überbleiben, in den nächsten Wochen noch zwei, drei der von der Wirtschaftskammer und sonstigen Institutionen hilfsfertig angebotenen Seminare und Workshops zu besuchen, um hier einigermaßen firm zu werden. Obwohl ich dafür eigentlich keine Zeit habe. Und auch keine Lust. Aber. Was tun? Irgendwie muss ich meinen Ärger abreagieren. Von Daten und ihren verschlungenen Kanälen, Speichern, Um- und Abwegen habe ich jedenfalls für’s erste genug.

Wollte ich nicht immer schon über die vergessene Kulturtechnik des Blinkens im Straßenverkehr räsonieren? Eben. Dann tu ich das. Jetzt. Eine bessere Notbremse im Kolumnisten-Alltag findet sich nicht. Da redet die halbe Welt über selbstfahrende Autos, Artificial Intelligence im Mobilitätssektor, erste konkrete Testreihen mit autonomen Vehikeln und leider auch ersten tödlichen Unfällen in diesem Kontext - und dann kommt Herr Gröbchen mit der läppischen Nicht-Verwendung des Blinkers im Alltagsverkehr? In der Tat. Denn die natürliche Unintelligenz des Menschen im Kontrast zur künstlichen Intelligenz der Maschinen zeigt sich gerade hier in besonderer Detailschärfe. Blinken ist aus der Mode gekommen; man fühlt sich beinahe wie ein älterer Klischee-Pilot mit Hut, betätigt man noch den Hebel. In Zeiten, in denen aber eh schon gewolltes Begegnungszonen-Chaos auf unseren Straßen herrscht, ist das leider nicht lustig. Eher im Gegenteil. So, das musste mal raus.

Ich empfehle einigen Mitmenschen - fühlen Sie sich ertappt? -, nochmals die Straßenverkehrsordnung (StVO) zu studieren. Die habe ich verinnerlicht. Bei der DSGVO starten wir allesamt noch als blutige Anfänger ins Rennen.