Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Der Liberalismus hat es nicht leicht zurzeit. Während in den USA Strafzölle auf Stahl und Aluminium aus Europa, Kanada und Mexiko erhoben werden, denkt die örtliche Ausgabe mit "Zuerst"-Kompetenz, HC Strache, über ein Ende der europäischen Personenfreizügigkeit nach. "Wir müssen offen diskutieren, dass es auch nicht gut ist für die europäische Entwicklung, das gesamte intellektuelle, gut ausgebildete Potenzial Osteuropas für Westeuropa abzuziehen", sagt der Heinz-Conrads der Kleinherzigen.

Aber was heißt das? Möchte Strache sich für bessere Jobs für bulgarische Akademiker einsetzen? Will er die Arztdichte in Rumänien anheben? Anders gefragt: Wo glaubt denn Strache, dass Österreich liegt? In West- oder in Osteuropa? Es ist durchaus denkbar, dass er einfach die Abwanderung österreichischer Spitzenkräfte stoppen will, die jedes Mal anschwillt, wenn die FPÖ in der Regierung sitzt. Vielleicht soll nicht die Balkanroute, sondern der Grenzübergang zwischen Salzburg und Freilassing geschlossen werden?

Aber die Balkanroute soll natürlich auch geschlossen werden. Obwohl das unser Bundeskanzler angeblich schon getan hat. Aber sicher ist sicher, und so verkündete Sebastian "Balkanroot" Kurz neue Gespräche mit den Balkanstaaten über eine neuerliche Schließung. Und wenn dann alle Grenzen in alle Richtungen ordentlich geschlossen sind, leben wir endlich so frei und friedlich wie in der DDR.

Bis dieser traumhafte Zustand erreicht ist, muss sich allerdings die Fraktion der "Nationen und Freiheit" (ENF), von der die FPÖ ein Teil ist, im EU-Parlament mit diversen Vorwürfen herumschlagen. Ausschreibungen sollen regelwidrig vergeben worden sein, die Parlamentarier würden gerne für 400 Euro essen gehen. Pro Person.

Obendrein sollen auch noch bei 41 Sitzungen im EU-Parlament insgesamt 228 Flaschen Champagner getrunken worden sein. Das macht fünfeinhalb Flaschen pro Sitzung. Man kann also davon ausgehen, dass die Fraktionsabgeordneten immer mit einem leichten Damenspitzerl im Parlament sitzen. Ein Räuscherl, ein Schwipserl, für das Europas Steuerzahler geradestehen dürfen. Die ENF steht nicht so gern, die hat lieber einen im Parlament sitzen.

Dahingehend ist auch von Österreichs Ratspräsidentschaft ab 1. Juli einiges an Impulsen auf europäischer Ebene zu erwarten. Wie etwa eine völlige Neuausrichtung der vier europäischen Freiheiten. Statt zu garantieren, dass sich Personen, Waren, Geld und Dienstleistungen sich in der EU bewegen dürfen, strebt man vier neue Grundprinzipien an. Erstens: regelmäßige Beleidigungen des politischen Gegners (die eine oder andere FPÖ-Ortsgruppe kann sich da sicherlich kreativ austoben). Zweitens: Postenschacherei (vielleicht könnte man Experten aus der Regierung Schüssel 1 & 2 hinzuziehen. Zumindest die, die ihre Haftstrafen noch nicht antreten mussten). Drittens: essen und trinken, was das Zeug hält, auf Steuergeld (die EU-Abgeordneten stehen gerne - hick! - mit Rat und Tat zur Verfügung.) Und viertens: die Sündenbockerei (worum es auch geht: Asylwerber sind schuld).

Und dann haben wir sie endlich:
die vier europäischen Frechheiten.

Man bringe den Champagner!