Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Erinnern wir uns: Der US-Geheimdienst NSA hat die deutsche Staatsspitze flächendeckend überwacht. Lang. Als das herausgekommen ist, hat die Bundeskanzlerin Merkel gesagt: "Ausspähen unter Freunden, das geht gar nicht."

Jetzt ist aber herausgekommen, dass der deutsche Bundesnachrichtendienst die österreichische Regierungsspitze überwacht hat. Österreichs Bundespräsident sagt dazu: "Ausspähung unter befreundeten Staaten ist nicht akzeptabel."

Das ist richtig. Bald jedoch wird man zugeben müssen, dass auch das Heeresnachrichtenamt (HNA) schon seit Jahren sämtliche Verbindungen innerhalb der slowenischen Regierung und Wirtschaftselite abschöpft. Sloweniens Regierung bestellt deshalb den österreichischen Botschafter ein und stellt unmissverständlich klar: "Prijatelji ne vohuni za seboj!" Was laut Internet-Übersetzung so viel heißt wie: "Freunde bespitzeln einander nicht!"

Dummerweise kommt nur Monate danach heraus, dass der slowenische Geheimdienst jahrelang alle Kommunikationskanäle des Fürstentums Liechtenstein überwacht hat. Der Fürst von Liechtenstein protestiert natürlich und sagt der versammelten Presse des Landes in aller gebotenen Deutlichkeit: "Fründ nasand anand nid us!" Was aber keiner versteht und erst von einer Spezialabteilung des Vorarlberger Verfassungsschutzes in wochenlanger Puzzlearbeit ins Hochdeutsche übersetzt wird. Heraus kommt der Satz: "Freunde aushorchen tut man nüchchchcht."

Leider muss aber nur kurze Zeit später das Füarschtatum Liachtaschtoo (wie der Staat in der Landessprache heißt) einräumen, dass man selbst ebenfalls sämtliche Verbindungen von, nach und in Monaco mitgeschnitten hat. Monacos Fürst Albert II. stellt zwischen einem Interview mit der "Bunten" und einem Fototermin mit "InTouch" klar: "Des amis ne s’espionnent pas." Was so viel heißt wie: "Freunde sollten einander nicht belauschen."

Peinlicherweise wird nur wenige Wochen später bekannt, dass auch der Stadtstaat am Mittelmeer selbst Informationen gesammelt hat. Und zwar im Vatikan. Sämtliche E-Mails, WhatsApp-Nachrichten und Telefongespräche hat das Fürstentum mitgeschnitten. Vor allem die Analyse der Tinder-, Grindr- und Gayromeo-Daten soll extrem aufschlussreich sein.

Für den Vatikan antwortete der Vorsitzende der Glaubenskongregation mit vor Erregung rotem Gesicht: "Non amici inter se exaudirent." Was natürlich Latein ist und bedeutet: "Freunde belauschen einander nicht." Das sich darauf explosionsartig verbreitende Gelächter im Vatikan wird noch Wochen andauern.

In einer in der Folge einberufenen internationalen Konferenz zur Koordinierung der nachrichtlichen Dienste und Aktivitäten kann man sich zwar auf keine Änderungen im Umgang miteinander einigen, jedoch löst man das Problem semantisch. Ab jetzt soll die Definition für "Freund" einfach lauten: "Ein Freund ist jemand, der sehr viel über dich weiß. Und du weißt nicht einmal, was alles." Damit sind dann alle sehr zufrieden.

Als das Verhandlungsergebnis auf Facebook veröffentlicht wird, kommt das erste "Gefällt mir" dazu von niemand Geringerem als Mark Zuckerberg persönlich.