Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Österreich hat den EU-Ratsvorsitz inne, und man kann sagen, es läuft jetzt schon sehr gut. Allein die Auftaktveranstaltung war "schlicht und ergreifend" (wie Innenminister Herbert Kickl sagen würde). Herzergreifend sogar. Schließlich hat sie in Schladming stattgefunden. Ja, Sie lesen richtig: in Schladming. Ich weiß, eigentlich hat die Republik auch eine Hauptstadt mit Prachtstraßen, repräsentativen Bauten, Kongresszentren, Hotels in allen Preislagen und einer ausdifferenzierten Gastronomie; aber unsere Ballmöre (Kurz für: Beste aller möglichen Regierungen) bittet lieber in Schladming ihre Gäste zu Tisch.

Dass Schladming bei der Nationalratswahl zu mehr als 70 Prozent eine der beiden Regierungsparteien gewählt hat, musste sich ja irgendwann auch einmal auszahlen. Zumindest für die Wirte. Denn die konnten nun der angereisten Presse das örtliche Bier und den ansässigen Grauschimmelkäse servieren. Hat doch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker eingemahnt, die österreichische Ratspräsidentschaft möge "nicht nur Wiener Schnitzel servieren".

Na, das lassen wir uns nicht zweimal sagen. Und wenn die Kommission nun selbst zu Gast in Österreich war, wird man den Herrn Juncker schon eines Besseren belehrt haben. Denn diesmal ging es nicht nach Fürstenfeld, Ried im Innkreis, Leibnitz oder Gänserndorf (obwohl hier auch überall mindestens 60 Prozent für die beiden Regierungsparteien gestimmt hatten), sondern überraschenderweise nach Wien. Schließlich waren die Demonstranten vom vorigen Samstag, die in so großer Zahl nicht ganz so glücklich mit den Segnungen des 12-Stunden-Tages waren, wie das Kanzler und Vizekanzler sich wünschten, wieder verschwunden.

Laut ORF war der "gesellschaftliche Höhepunkt" des Besuchs der Kommission ein Abstecher in einen Heurigen. Da wird Herr Juncker geschaut haben, wie sie ihm da Fleischlaberln, Blunzen, Liptauer, Kümmelbraten, harte Eier, Erdäpfel- und Schwarzwurzelsalat, einmal Tortenecken und dreimal Liter/Liter serviert haben. Dieser Luxemburger macht jetzt sicher keine blöden Witze mehr auf Kosten unserer Küche. Dafür wird der österreichische EU-Ratsvorsitz die brennenden europäischen Themen angehen. Den Brexit etwa und all die damit verbundenen Unsicherheiten für europäische Bürger und Firmen sowie die angespannte Lage in Nordirland, möchte der Bundeskanzler durch das Schließen der Mittelmeerroute abfedern. Auch den schwelenden Handelsstreit mit den USA kann man sicher durch gezielten Einsatz von Anlandezentren lösen, ist man sich im Büro des Vizekanzlers sicher.

Und beide Regierungsparteien wären sich auch einig, dass man den Herausforderungen durch Klimawandel, Digitalisierung und massive Steuerflucht von Firmen und Vermögenden aus der EU entgegentreten will, und zwar mit einer weiteren Großübung der Polizei an der Grenze zu Tschechien. Das zumindest erklärte der Innenminister auf einer Pressekonferenz, die er hoch zu Ross durchritt. Man sieht, diese Regierung nimmt ihr eigenes Motto "Ein Europa, das schützt" ernst. Nur eigentlich müsste es aber heißen: Europa schützt vor Blödheit nicht.