Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Urlaub ist immer eine schwierige Frage. Die einen wollen in die Berge, die anderen ans Meer, und alle zusammen wollen nicht viel Geld ausgeben. Daher ein Tipp: Wie wär’s mit Griechenland? Das ist ordentlich zerklüftet (hat also Berge) und besitzt eine sehr, sehr lange Küstenlinie (also Meer). Und - jetzt kommt das Beste! - die Menschen dort sind aufgrund der Austeritätspolitik von EU, IWF und Weltbank so verarmt, dass man dort echt für einen Apfel und ein Ei große Teile der Infrastruktur kaufen kann. Teilweise auch nur für einen Apfel.

Und das mit dem Apfel hat ja auch Tradition in Griechenland. Man denke an die Geschichte von Paris. Der wurde auch von EU, Weltbank und IWF . . . nein, von Hera, Aphrodite und Athene gefragt, wer denn die Schönste sei. Und der musste er dann den Apfel geben.

Unauflösliche Dilemmata (Für die Ö3-Redaktion: Das ist der gescheitere wie auch hübschere Plural von Dilemma. Aber das ist euch wurscht. Ich weiß.) sind dem Griechen also nicht neu. Deshalb hat er ja auch das Wort "Dilemma" erfunden. Der einzige Unterschied zu damals ist, dass besagte Göttinnen Paris die Arschkarte nicht als "Griechenland-Rettung" verkauft haben.

Trotzdem ist Griechenland als Urlaubsdestination zu empfehlen. Erst recht die Inseln. Lesbos, Chios oder Samos haben nicht nur Berge und Meer, sondern auch Hot-Spots. Da sind Flüchtlinge drinnen. Und die Hot-Spots heißen so, weil es auch wirklich recht heiß drinnen ist. Aber die haben eh Trinkwasser dort. Manchmal. Bisweilen auch Strom. Aber nur acht Stunden am Tag. Zwar keine Küche, aber dafür ein Klo. Und eine Dusche. Eine. Für 500 Leute. Oder zwei für 800. Und dann geht es eben heiß her im Hot-Spot. Darum "hot".

Und "Spot" heißen die Dinger wegen der Scheinwerfer. Die haben sie auch dort. Und Hunde gibt es auch. Aber nicht zum Spielen für die Kinder. Die gehören dem Wachpersonal. Und rundherum ist total schöner, messerscharfer Nato-Draht. Also im Grunde ist so ein Hot-Spot eigentlich ein stinknormales Lager. Aber weil "Lager" nicht so cool klingt, nennen wir es eben "Hot-Spot". Wenn Sie wollen, auch "Anlandezentrum". Sie können es auch "Kuschelmuschel" nennen, ändert nichts an der Lage im Lager. Dafür kann man dann daneben in der Strandbar sitzen und Bier trinken. Egal ob Pils, Weizen oder Hot-Spot . . . äh . . . Lager. (Haha, Superwitz.)

Wer einmal etwas ganz anderes erleben will im Urlaub, borgt sich mit der Familie ein Schlauchboot aus, fährt raus aufs Meer, versenkt dort seine Reisedokumente und paddelt zurück zur Insel. Da kann man dann erleben, wie das ist in einem Lag . . . äh . . . Hot-Spot, der für 1000 Menschen ausgelegt ist, aber doppelt so viele fassen muss. Auch für die Kinder ein unvergessliches Erlebnis: Gestank, Gewalt, Dauerstress, aber keinerlei Schulunterricht. Die werden sich nach diesem Aufenthalt nie wieder über Hausaufgaben beklagen, die G’schroppen.

Und wenn Sie dann nach Hause kommen (also "wenn" im Sinne von "falls"), werden Sie in dem Spruch "Ein Europa, das schützt" eine völlig neue, ganz feine ironische Note entdecken. Und vielleicht eine ganz andere Partei wählen als vorher.